Arbeitsbedingte Belastungen von ErzieherInnenWährend bei gewerblichen Tätigkeiten wie z.B. im Bauwesen mögliche Belastungen durch Heben und Tragen, Lärm etc. offenkundig sind, wirkt die Arbeit in den Kindertagesstätten für Außenstehende zunächst wenig belastend. Erst der nähere Blick zeigt, auch hier liegen Belastungen vor, die entsprechender Kompensation bedürfen. Kompensation heißt dabei Schutz vor Belastungsfolgen wie Leistungsminderung und Krankheit, aber auch Verbesserung des Arbeitsergebnisses durch optimierte Arbeitsbedingungen. Gerade letzteres dürfte auch im Rahmen der aktuellen Bildungsdiskussion von Interesse sein. Wir wollen hier exemplarisch nur das Sitzen sowie die Lärmbelastung nähern betrachten und verweisen auf die umfassenderen Ausführungen in Band 7 „Erziehung - (k)ein Kinderspiel“ unserer Schriftenreihe. Sitzen (unergonomisches Mobiliar)![]() Insbesondere im Kindergartenbereich hat sich in den letzten Jahrzehnten das „Sitzen auf Kinderniveau“ etabliert. Die Erzieherin sitzt dabei an Tischen in Kinderhöhe und benutzt einen Kinderstuhl oder einen halbwegs passenden „Erwachsenenstuhl“. Egal wie die genaue Gestaltung der Sitzposition nun aussieht, in der Regel erlaubt das Sitzen an Kindertischen keine rückengerechte Haltung. Da oftmals die Beine nicht unter den Tisch gestellt werden können, wird parallel zum Tisch gesessen und die notwendige Tischorientierung durch Verdrehen der Hals- und Lendenwirbelsäule erreicht. Die gleichzeitig notwendige Anpassung an die Tischhöhe erfolgt durch eine zusätzliche Beugehaltung. Die Wirbelsäule befindet sich hierdurch in einer 2- dimensionalen Zwangshaltung, was bei längerer Belastung zu einer ungünstigen Beanspruchung der Bandscheiben führt. Ob hieraus nun eine erhöhte Beanspruchung der Wirbelsäule resultiert, hängt vom Gesamtsitz-/ Bewegungsverhalten ab. Langes statisches Sitzen ohne ausgleichende Bewegungen kann die Beanspruchung steigern, dynamisches Sitzen, kurzzeitiges Sitzen beugt Beanspruchungen vor.
Selbstverständlich gehört zu einem gesunden Rücken auch eine gestärkte Rückenmuskulatur. Entsprechende Gymnastik- und Rückenschulangebote sollten daher angenommen und die Inhalte im Alltag umgesetzt werden. Wichtig: Rückengerechtes Arbeiten ist nicht nur ein Thema für bereits Erkrankte, auch beschwerdefreie MitarbeiterInnen sollten alles dafür tun, dass der „Rücken gesund bleibt“. Lärmbelastung von ErzieherInnenGrundsätzlich stellt die Erziehung und Betreuung von bis zu 25 (Klein-) Kindern in einem Raum auch akustisch schon eine besondere Situation dar. Schreien, Lachen, Sprechen all dies kann parallel statt finden und zu erheblichen Lärmpegeln führen. Messungen in Kindertagesstätten ergeben Lärmpegel von z.T. deutlich über 80 dB(A), wobei auch schädigende Pegelbereiche von 85 dB(A) erreicht werden können. Hieraus resultieren überwiegend psycho-mentale Belastungen (durch Lärm gestresst sein). Darüber hinaus wird die Sprachverständlichkeit erheblich beeinträchtigt. Letzteres ist gerade für einen Raum, in dem vorschulische Erziehung statt finden soll, unakzeptabel. Es besteht somit die Notwendigkeit, der Lärmbelastung ein besonderes Augenmerk zu widmen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Bauliche Maßnahmen Während bei Neubauten die Berücksichtigung des Schallschutzes relativ einfach ist, muss bei bestehenden Bauten der geeignete Schallschutz aufgrund der jeweiligen Rahmenbedingungen gewählt werden. In der Praxis gelingt dies in der Regel jedoch problemlos und gerade die nachgerüsteten Räume weisen eine deutliche Verbesserung der "Nutzungssituation" auf. Organisatorische Maßnahmen
Als Lärmpausen können alle Tätigkeiten genutzt werden, die nicht unbedingt im Gruppenraum statt finden müssen (wie z.B. Schreibarbeiten, Vorbereitungen etc.). Ob diese „Pausen“ extern im Büro oder Aufenthaltsraum möglich sind, hängt in entscheidendem Maße von den speziellen Gegebenheiten der Einrichtung ab. Sofern die Bedingungen vor Ort (Personalschlüssel, Räumlichkeiten) dies ermöglichen, sollten derartige Lärmpausen unbedingt genutzt werden. Die Reduzierung der Gruppengröße ist ebenfalls geeignet die Lärmeinwirkung zu reduzieren. Es wäre wünschenswert, wenn im Rahmen bestehender Bildungsoffensiven hier Veränderungen der Vorgaben erreicht würden. Pädagogische Maßnahmen Lärmampel Grundsätzlich gibt es über die Dauerwirksamkeit der Geräte noch wenige Aussagen. Unabhängig hiervon eignen sie sich jedoch auf jeden Fall hervorragend zur Darstellung eines bestehenden Lärmproblems. Die Unfallkasse Hessen bietet interessierten Einrichtungen den kostenlosen Verleih der Geräte. Ansprechpartner sind Hr. Hartmann (h.hartmann(at)ukh.de) und Frau Schad (m.schad(at)ukh.de). Gute Ideen aus der PraxisSollten Sie und Ihr Team sich mit der Thematik "Arbeitsbedingte Belastungen" schon auseinander gesetzt und Lösungen gefunden haben, die für andere Einrichtungen interessant sein können… dann schicken Sie uns "Ihr Konzept" – wir stellen Sie und Ihre Anregungen hier gerne vor. |






