26.11.2018 - Erkrankungen durch Asbest weiterhin hoch

Früherkennung von Mesotheliomen nun erstmals möglich

Entsorgung von Asbest unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.

Das maligne Mesotheliom gehört zu den gefährlichsten Asbest-Erkrankungen. Es ist kaum frühzeitig zu erkennen, bisher unheilbar und führt meist nach kurzer Krankheit zum Tod. Obwohl die Verwendung und das Inverkehrbringen von Asbest bereits vor mehr als 25 Jahren in Deutschland verboten wurden, sind die Zahlen Asbest verursachter Berufskrankheiten (BK) weiter hoch. Die Ursache hierfür liegt in der langen Latenzzeit zwischen der Exposition gegenüber Asbest und dem Ausbruch der Krebserkrankungen. Mehr als die Hälfte der Todesfälle aufgrund von Berufskrankheiten gehen laut Statistik der gesetzlichen Unfallversicherung auf Asbest zurück. Bislang ist die Behandlung nur sehr eingeschränkt möglich, da das Mesotheliom meist erst in einem späten Stadium entdeckt wird.

Kombination von Biomarkern für erfolgreiche Sekundärprävention
Das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA) veröffentlichte nun im Open Access Journal "Scientific Reports" die Ergebnisse der kombinierten Blutanalyse für die Mesotheliom-spezifischen Biomarker Calretinin und Mesothelin. "Biomarker sind Substanzen, die im Körper als Folge von bestimmten Erkrankungen oder sogar bereits schon im Vorfeld einer Erkrankung auftreten können", erklärt Dr. Johnen, Leiter des Kompetenz- Zentrums Molekulare Medizin am IPA. "Sie sind deshalb so besonders wertvoll, da sie meist in leicht zugänglichen Körperflüssigkeiten wie Blut oder Urin nachgewiesen werden können. Erstmalig wurde ein Verfahren zur Früherkennung von Mesotheliomen validiert, bei dem die Patienten nicht durch invasive Eingriffe oder Strahlung belastet werden. Bei nur 2% falschpositiven Befunden können in bestimmten Hochrisikogruppen nahezu 50% der Versicherten, die ein Mesotheliom entwickeln bis zu einem Jahr vor der klinischen Diagnose erkannt werden", so Johnen weiter.

"Mit diesem Markerpanel sind wir nun erstmals in der Lage die Früherkennung asbestbedingter Mesotheliome deutlich zu verbessern, so Prof. Brüning, Institutsdirektor des IPA, "denn bis zur Hälfte der Tumoren können mithilfe der Tests ein Jahr vor der bisher möglichen klinischen Diagnose entdeckt werden. Das verbessert die Behandlungsoptionen deutlich." In den letzten zwei Jahren hat es durch den Einsatz der sogenannten Immuntherapie auch bei der Behandlung von Mesotheliomen Fortschritte gegeben. Dadurch wird die Bedeutung der Früherkennung weiter unterstrichen.

Studie zur Krebsfrüherkennung macht Ergebnisse erst möglich
Erzielt wurden die Ergebnisse im Rahmen der vom IPA gemeinsam mit verschiedenen Unfallversicherungsträgern durchgeführten Studie "Molekulare Marker zur Krebsfrüherkennung", kurz MoMar. Im Rahmen der Studie wurden zehn Jahre lang fast 2.800 versicherten Personen mit einer anerkannten Berufskrankheit (BK) 4103 "Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) oder durch Asbeststaub verursachte Erkrankung der Pleura" jährlich Blut entnommen und auf mögliche frühe Hinweise auf ein Mesotheliom untersucht. "Hiermit konnten wir eine große Anzahl von Proben aus dem Vorfeld der Erkrankung sammeln, was es so bisher noch nicht gegeben hat", so Dr. Johnen, Leiter der Studie.

Markerpanel verbessert Optionen bei der nachgehenden Vorsorge
Prof. Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist begeistert: "Damit werden zukünftig versicherte Personen, die durch die nachgehende Vorsorge betreut werden und die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Mesothelioms zeigen, nun auch die Chance auf eine frühzeitigere Behandlung haben." Die nachgehende Vorsorge ist ein Angebot der gesetzlichen Unfallversicherung für die Sekundärprävention beruflich verursachter asbestbedingter Erkrankungen. Hier werden asbestexponierte Beschäftigte in regelmäßigen Zeitabständen intensiv beraten, untersucht und persönlich betreut.

Originalpublikation
Georg Johnen, Katarzyna Burek, Irina Raiko, Katharina Wichert, Beate Pesch, Daniel G. Weber, Martin Lehnert, Swaantje Casjens, Olaf Hagemeyer, Dirk Taeger, Thomas Brüning & MoMar Study Group. Prediagnostic detection of mesothelioma by circulating calretinin and mesothelin – a case-control comparison nested into a prospective cohort of asbestos-exposed workers. Sci Rep. 2018 Sep 25; 8:14321. doi: 10.1038/s41598-018-32315-3

Das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV
Das IPA – Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist als Institut der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an der Schnittstelle zwischen arbeitsmedizinischer Forschung und der Praxis für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen positioniert.

Zum einen ist es daher für die medizinisch-akademische Forschung und Lehre im Fach Arbeitsmedizin der Ruhr-Universität Bochum verantwortlich; zum anderen unterstützt das IPA die gewerblichen Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bei der Erfüllung ihrer Aufgaben.

Pressekontakt:
Dr. Georg Johnen
Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung
Institut der Ruhr-Universität Bochum (IPA)
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel. 030 13001 4350
E-Mail: johnen[at]ipa-dguv.de

 

Bild: ©Adobe Stock, Bernard MAURIN

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