10.02.2021 - Adäquater Schutz spielt entscheidende Rolle bei Schulöffnung

Gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt aktuell Distanz- und Wechselunterricht

Bei den Beratungen von Bund und Ländern wird heute voraussichtlich auch die Rückkehr zum Regelbetrieb in Schulen und Kitas eine Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen auf ihre aktualisierten Schutzstandards für Bildungseinrichtungen hin. Da die Gefahr einer SARS-CoV-2-Übertragung insbesondere in geschlossenen Räumen, in denen sich mehrere Personen aufhalten, besteht, empfehlen sie aktuell Distanz- und Wechselunterricht. Dazu sollte eine Klasse idealerweise auf zwei Schulräume aufgeteilt werden, damit die ganze Klasse gleichzeitig in der Schule ist. Priorität haben weiterhin die Kontaktreduzierung und die Einhaltung des Mindestabstandes.

Die Zahl der Neuinfektionen in einer Region sollte nicht das alleinige Kriterium sein, um zu entscheiden, ob Bildungseinrichtungen öffnen oder schließen. Einfließen sollte auch, ob entsprechende Schutzmaßnahmen vor Ort umgesetzt sind und eingehalten werden können. Welche Anforderungen dabei erfüllt sein müssen, hat die gesetzliche Unfallversicherung sehr frühzeitig in Schutzstandards für Kindertageseinrichtungen und Schulen festgelegt ebenso wie für die Wege dorthin. Aufgrund der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung (Corona-ArbSchV) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales wurden diese Schutzstandards jetzt angepasst.

Adäquater Schutz vor Ort


"Uns ist bewusst, welchen hohen Stellenwert Bildung besitzt. Umso wichtiger ist es, die Gesundheit aller Menschen in den Bildungseinrichtungen zu schützen. Bei der Frage nach der Öffnung sollte der Blick auf die einzelne Einrichtung mit ihren jeweiligen Rahmenbedingungen gerichtet werden, um einen adäquaten Schutz vor Ort zu gewährleisten. Sonst laufen wir möglicherweise direkt in die nächste Schließung von Einrichtungen hinein", sagt Annette Michler-Hanneken, Leiterin des Fachbereichs Bildungseinrichtungen der DGUV. "Bergsteiger machen einen Aufstieg auch nicht davon abhängig, ob die Zahl der Abstürze am Berg gering ist. Wichtig für das Gelingen sind die Bedingungen am Berg und die eigene Vorbereitung."

Aktuell enthalten die aufgrund der Corona-ArbSchV ergänzten Schutzstandards unter anderem folgende Empfehlungen:

  • Beschäftigten in Schulen und Kitas sowie Schülerinnen und Schülern werden mindestens medizinische Gesichtsmasken (= Mund-Nasen-Schutz, MNS) zur Verfügung gestellt, wenn die Anforderungen aus der Corona-ArbSchV und den DGUV-Schutzstandards zu Raumbelegung bzw. Mindestabstand nicht erfüllt sind, wovon in der Regel auszugehen ist.
  • Kinder in der Kindertagesbetreuung sind aus entwicklungspsychologischen Gründen von der Maskenpflicht ausgenommen.
  • Neben dem Tragen von MNS bleiben das regelmäßige Fensterlüften und weitere technische und organisatorische Maßnahmen prioritär. Für die Beurteilung der Luftqualität kann die CO2-Konzentration im Raum herangezogen werden, die zum Beispiel mit CO2-Ampeln gemessen werden kann. Für die Ermittlung der Lüftungsintervalle können Lüftungsrechner der Unfallversicherungsträger oder die CO2-App der DGUV genutzt werden.
  • Mobile Raumluftreiniger sollten nur in Ausnahmefällen und dann auch nur ergänzend eingesetzt werden.
  • Beim Tragen von Masken sollten Tragezeiten und Tragepausen festgelegt werden. Detaillierte Hinweise dazu finden sich in Abhängigkeit vom Maskentyp im Schutzstandard Schule und in den FAQ's der DGUV.

Auch für den Weg zur Schule und Kita geben die Unfallversicherungsträger Empfehlungen. So sollte bei der Nutzung des Schülerindividualverkehrs und des öffentlichen Nahverkehrs darauf geachtet werden, dass:

  • in Sitzreihen mit 2er-Bänken immer nur ein Kind sitzt,
  • sich niemand gegenüber sitzt,
  • sich keine Personen gegenüberstehen und
  • Nutzerinnen und Nutzer mindestens medizinische Gesichtsmasken tragen.


Darüber hinaus könnten effiziente, aber auch ressourcenschonende Teststrategien bei den Beschäftigten dazu beitragen, die Verbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen. Hierfür sollte geschultes Fachpersonal zur Verfügung stehen. Solange es keine laiensicheren Tests gibt, sieht die gesetzliche Unfallversicherung die private Testung von Kindern und Schülerinnen und Schülern kritisch - die Regelungskompetenz hierfür liegt aber an anderer Stelle.

Weitere konkrete und detaillierte Umsetzungshinweise, um das Infektionsrisiko in den Einrichtungen und auf den Wegen dorthin zu minimieren, finden sich in den angegebenen Schutzstandards und Handlungshilfen:

Links

Schutzstandard Schule
Schutzstandard Kindertagesbetreuung
DGUV – Handlungshilfe "Coronavirus – Hinweise für den Kita- und Schulweg"

Bei allen Maßnahmen zum Schutz vor Corona in Schulen und Kitas sind auch weiterhin die Vorschriften der Länder zum Infektionsschutz zu beachten.

Hinweis

Zwischen der S3-Leitlinie "Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen" der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften), die im Rahmen der aktuellen Förderung des Netzwerks Universitätsmedizin vom Bundesforschungsministerium gefördert und am 8. Februar 2021 veröffentlicht wurde, und dem Schutzstandard Schule bestehen nach einer ersten Prüfung keine inhaltlichen Widersprüche. Die Schutzstandards geben zusätzlich konkrete Handlungsempfehlungen für verschiedene Arbeitssituationen und Schutzmaßnahmen in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Sie wurden bereits in der Frühphase der Pandemie veröffentlicht und werden laufend aktualisiert. Auch Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung existieren.

Quelle: DGUV

Weitere News

Unterstützung für Betriebe

Impfen wirkt – warum ich mich jetzt gegen COVID-19 impfen lassen sollte

Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung verpflichtet seit 10. September 2021 Arbeitgebende, ihre Beschäftigten über die Risiken einer Erkrankung an COVID-19 und die Möglichkeit der Schutzimpfung aufzuklären. Um die Betriebe und Einrichtungen bei dieser Aufgabe zu unterstützen, hat die DGUV die 10 wichtigsten W-Fragen und Antworten zusammengestellt.

Informationen der DGUV

Hinweise zum Umgang mit Geimpften und Genesenen im Betrieb

Müssen geimpfte oder genesene Beschäftigte die Regeln zum Schutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion bei der Arbeit weiter einhalten? Die jüngsten Änderungen der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung, die zum 10. September 2021 in Kraft getreten sind, ermöglichen Ausnahmen für diese Gruppen. Die gesetzliche Unfallversicherung gibt Hinweise, welche Möglichkeiten Betriebe nach aktuellem Wissensstand haben, wenn sie den Impfstatus der Beschäftigten in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen möchten. Das Merkblatt finden Sie hier.

Erfahrungsaustausch für BGM, BGF und BEM in Frankfurt. Noch freie Plätze für den 21.10.2021

Forum Gesundheit – Wie lässt sich in Krisenzeiten gesund (zusammen-)arbeiten?

Die Arbeitswelt verändert sich und auch die nahe Vergangenheit hat gezeigt, wie hoch die Anforderungen an die Veränderungsbereitschaft sind. Die Anpassung an die Strukturen und Arbeitsweisen aller Beschäftigten bedingt nicht nur eine hohe Bereitschaft zur Transformation, sondern auch eine gute psychische Widerstandsfähigkeit. Daher ist unser diesjähriger Themenschwerpunkt „Resilienz“ – sowohl persönliche als auch organisatorische.

Sicherheit für Ehrenamtliche und Wähler*innen

Handreichung zur Bundestags- und Kommunalwahl

Die bestehende Handreichung, wie Wahlen unter Pandemie-Bedingungen in Hessen sicher für Wahlhelfer*innen und Wählende organisieren und durchführen, wurde an die derzeitigen Gegebenheiten angepasst. Hier finden Sie die aktuelle Version. Nicht vergessen: Ehrenamtliche, die die Kommunen bei den kommenden Wahlen unterstützen, sind gesetzlich unfallversichert. Kommt es bei der ehrenamtlichen Tätigkeit oder auf dem Weg dorthin zu einem Unfall, übernimmt die Unfallkasse die Arzt- und Rehakosten und zahlt, wenn nötig, auch eine Rente.