Entsorgung/Abfall

Allgemeines

Mitarbeiter eines Entsorgungsbetriebes, transportiert eine Abfalltonne.

Bei der Einsammlung und Behandlung von Abfällen sind die Beschäftigten der Entsorgungsbetriebe erheblichen Gefährdungen ausgesetzt. Hohe physische, aber auch erhebliche psychische Anforderungen führen zu einem Unfallaufkommen, das gemessen an anderen Betriebsarten deutlich erhöht ist. Gesunde und motivierte Mitarbeiter sind jedoch eine ganz wesentliche Voraussetzung für eine hohe Effektivität und Produktivität.

Aktuelles Projekt: Unterweisungsmodule für die kommunale Abfallsammlung

„Klassische“ Unterweisungen sind häufig sehr belehrend konzipiert. Man kann allerdings grundsätzlich davon ausgehen, dass die Mitarbeiter:innen wissen, welche Arbeitsweise idealtypisch und "richtig" ist. Manches, was eine wirksame Unfallverhütung garantiert, wird in der Praxis aber ignoriert. 

Diese Unterweisungsmodule dagegen sollen vor allem zur Diskussion über die individuelle Arbeitsweise anregen: 

1. Ein Video zeigt, wie der Arbeitsvorgang optimalerweise durchgeführt werden soll, dieser wird im Plenum als Grundlage für die Diskussion gezeigt.

2. Der Vortrag bietet dann die Möglichkeit, auf die wichtigsten Aspekte nochmal hinzuweisen und dabei gemeinsam zu überlegen, was in der Praxis bereits so durchgeführt wird und falls nicht, weshalb nicht. Die angesprochenen Punkte und Änderungen im Arbeitsablauf können das gesamte Team oder die Einzelperson betreffen. Es kann nötig sein, die Info über das "Warum nicht" an eine andere Stelle weiterzuleiten, damit Abhilfe geschaffen werden kann (z. B. Änderungen in der Arbeitsorganisation).  

3. Die Moderationshinweise helfen der unterweisenden Person, durch die Diskussion zu führen und geben Hilfestellung, welche Aspekte aus Sicht der Unfallhütung besonders wichtig sind.

Beispiel: Zum Thema Rückwärtsfahren zeigt der Film den idealen Fall mit zwei Einweisern. Auch der Film zur Schüttung zeigt den optimalen und gesundheitsschonenden Behältertransport und das sichere Verhalten an der Schüttung. Wenn sich hier in den Betrieben die Praxis von der Theorie entfernt hat, dann gibt es dafür Gründe. Ziel sollte es sein diese zu ergründen, damit sie abgestellt oder beeinflusst werden können: hat es betriebliche Gründe? Liegt es an der Organisation z. B. der Tourenplanung oder Fahrzeugbesetzung? Oder liegt es eher in der Öffentlichkeit (an den Bürger:innen oder am Verkehr)? Oder gibt es überwiegend persönliche Gründe? Fehlen Vorbilder für eine gesunde Präventionskultur? Diese Fragen können nur in den Betrieben beantwortet werden.

Wenn Unterweisende auch mit alltäglichen Unfallmeldungen aus der Presse hinweisen möchten, können sie sich für den wöchentlichen Newsletter zur Abfallsammlung anmelden (E-Mail an t.rhiel(at)ukh.de). 

Denkbar ist auch, eigene Unfälle des Betriebs in der Unterweisung zu thematisieren und in der Diskussion die Ursachen zu diskutieren. 

Rückwärtsfahren

Schüttung

Theorie und Praxis - ein Widerspruch?

Ist die Vorgehensweise in den Videos lediglich ideal typisch für die Abfallsammlung, aber zu weit weg von der Realität? Wir sind der Meinung: Keinesfalls! Die Module zeigen die Realität und berücksichtigen dabei auch das übergeordnete Unfallgeschehen und Erkenntnisse aus der Gefährdungsbeurteilung. Es ist noch gar nicht so lange her, da war es gängige Praxis, dass Fahrzeuge ohne Einweisende rückwärts in die engsten Straßen rangierten. Die Lader*innen gingen derweil voraus, um die Abfallbehälter zu positionieren. So sollte nicht mehr gearbeitet werden, denn es ist zu gefährlich.

Zwei Personen weisen ein? Völlig unrealistisch?

In den Videos wird das Rückwärtsfahren mit zwei Einweisern gezeigt – einer vor, einer hinter dem Fahrzeug, die die enge Rückfahrtstrecke überwachen. Es gibt Strecken, bei denen es absolut notwendig ist und sich als logische Konsequenz aus der Gefährdungsbeurteilung ergibt. Denn wenn der vordere Fahrzeugteil verschwenkt, ist dieser Bereich weder vom Fahrenden noch vom Einweisenden hinter dem Fahrzeug einsehbar.

Bestenfalls werden durch diese Maßnahme nur Sachschäden verhindert, es gab aber auch bereits einen tödlichen Unfall einer Passantin, die von dem eingeschlagenen Vorderrad bei der Rückfahrstrecke überrollt wurde. Die Fahrzeugbesatzung muss also so sensibilisiert sein, dass sie Gefahren erkennt und weiß, welche Maßnahmen notwendig sind.

Führen Sie die Diskussion als Unterweiser*in so, dass Sie die Frage diskutieren „Gibt es auf eurer Sammeltour Orte oder Situationen, bei denen ein zweiter Einweiser sinnvoll und nötig ist?“ Es soll nicht die Botschaft vermittelt werden, dass ab sofort nur noch mit zwei Einweisern gearbeitet werden darf. Sich aktiv mit der Gefährdungsbeurteilung auseinanderzusetzen und sie zentral in die Überlegungen der Tourenplanung einzubeziehen, ist für uns moderner Arbeitsschutz. 

Für Ergonomie fehlt mir die Zeit!

Im Video zur Schüttung wird das Bewegen von Abfallbehältern gezeigt. Die Präsentation weist dazu auf die große Belastung beim Transport oder beim Herumwirbeln der Behälter hin. Abfallsammlung ist eine schwere und belastende Tätigkeit. Es ist ein Fakt, dass solche oder vergleichbare Bewegungen, z. B. das Hochziehen von einem anfahrenden Fahrzeug bei der Trittbrettmitfahrt, zu Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates mit seinen Muskeln, Bändern, Sehnen und Gelenken. Dieser Fakt darf nicht mit einem Hinweis auf die tatsächliche Praxis bei der Abfallsammlung abgetan werden. Muskel-skelett-Erkrankungen oder Körperschäden werden den Unfallkassen häufig gemeldet.

Ihre Mitarbeiter*innen oder Ihre Kolleg*innen sind es, die davon betroffen sind. Im schlimmsten Fall können sie ihre Arbeit nicht mehr ausüben. Den Beschäftigten müssen die langfristigen Konsequenzen ihres Handelns vor Augen geführt werden und ergonomische und Gesundheit erhaltende Verhaltensweisen vermittelt werden. Diskutieren Sie mit Ihren Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen über gesündere Arbeitsweisen und nehmen Sie diese Module zum Anlass.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Nutzung der Module!

Für Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Zuständige Ansprechperson ist Thomas Rhiel. Sie erreichen ihn unter t.rhiel[at]ukh.de oder telefonisch unter 069-299 72 210.

Die Clips wurden mit Unterstützung des Betriebshofs Bad Homburg abgedreht. Das gesamte Vorhaben erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen. Für den Jahresverlauf 2021 ist die Fertigstellung der Module "Sperrmüllabfuhr" und "Trittbrettfahrt" geplant.

Aktuelles Seminarangebot

Die Unfallkasse Hessen stellt Ihren Mitgliedern darüber hinaus ein umfangreiches Informationsangebot zur Verfügung. Nachfolgend sind ausgewählte Druckschriften, Informationen und Medien aufgeführt, die speziell auf die Belange "Entsorgung/Abfall" ausgerichtet sind.

Folgende Schriften können Sie kostenfrei bei der UKH bestellen:

  • Regel 114-601
  • Regel 114-602
  • Information 214-058

Medien

Projekte der Unfallkasse Hessen

Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen
Das Projekt "Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen'" wurde 2003 initiiert. Die Projektgruppe, bestehend aus Sicherheitsfachkräften hessischer Entsorgungsbetriebe und dem Sachgebiet „Entsorgung'' der UKH, hatte sich als Ziel gesetzt, die durch Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen bedingten Unfälle zu reduzieren. Diese machten in der Entsorgungswirtschaft mehr als 5 % des Unfallgeschehens und der Ausfalltage aus und waren deshalb ein klar zu erkennender Unfallschwerpunkt. Dazu wurden die Unfälle der beteiligten Betriebe über den gesamten Projektverlauf statistisch erfasst und ausgewertet. Als zentrale Maßnahme zur Reduzierung des Unfallgeschehens wurden Mitarbeiterinformationen, z. B. Faltblätter und Plakate sowie ein Kurzfilm erstellt. Der Film kann entweder als DVD direkt von der Unfallkasse Hessen bezogen werden oder als Download herunter geladen werden.

Die Projektevaluation hat gezeigt, dass bei konsequentem Einsatz der zur Verfügung gestellten Medien die Ein- oder Aussteigebedingten Unfälle in den beteiligten Betrieben deutlich zurückgegangen sind.


Lärm bei der Abfallsammlung

Die Unfallkasse Hessen hat in Zusammenarbeit mit mehreren kommunalen Entsorgungsunternehmen Lärmmessungen bei der Abfallsammlung durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Mülllader sowohl bei der herkömmlichen Behälterabfuhr als auch während der Sperrmüllentsorgung häufig erheblich durch Lärm belastet sind. Dies führt neben dem Risiko eine Berufskrankheit zu erleiden auch arbeitstäglich zu Beeinträchtigungen. Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Gereiztheit sind nur einige Aspekte, die oft zum Feierabend des Müllladers gehören. Neben einer optimalen Wartung und Pflege gibt es zahlreiche technische Möglichkeiten am Fahrzeug, am Fahrzeugaufbau und insbesondere an der Fahrzeugschüttung, die Belastung erheblich zu reduzieren. Darüber hinaus ist auch die Behälterbeschaffenheit von großer Bedeutung. Bei Kunststoffbehältern sind eine Deckelöffnungs- und Deckelzuschlagsdämpfung, eine Absetzdämpfung und spezielle Radlager einfache und kostengünstige Möglichkeiten, die Lärmgefährdung erheblich zu reduzieren. Auch organisatorische Maßnahmen können sehr hilfreich sein, die Belastungen zu minimieren. Eine wirksame Lärmreduzierung bei der Sammelfahrt ist nicht nur für den Müllwerker erforderlich, auch der Bürger profitiert davon.

Wenn die technischen und organisatorischen Maßnahmen nicht ausreichen, muss der Müllwerker durch geeignete persönliche Schutzausrüstung geschützt werden. Hier bewähren sich bei der Abfallsammlung so genannte „Gehörschutz - Otoplastiken" mit geringer Dämmung und linearem Frequenzgang besonders. Sie sind nach derzeitigem Kenntnisstand einer anderen Gehörschutzlösung vorzuziehen, weil neben den Dämmungseigenschaften auch die hygienischen Aspekte sehr gut berücksichtigt werden können. Außerdem sind individuelle Lösungen für Müllwerker mit erkennbarer Vorschädigung technisch realisierbar.

Links

Haben Sie Fragen?

Dr. rer. nat. Gerlinde Brunke
Telefon: 0561 72947-21

Oliver Heise:
Telefon: 069 29972-212

Thomas Rhiel:
Telefon: 069 29972-210