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Letzte Änderung: 28. November 2021
Stellungnahme der UKH zur Maskenpflicht an Schulen

Maske auf statt Schule zu

Im Laufe der letzten Monate erreichten die Unfallkassen bundesweit vereinzelte besorgte Anfragen zu den Corona-Maßnahmen der Kultusministerien und der örtlichen Gesundheitsämter. Im Besonderen ging es um das Thema Maskenpflicht. Die Unfallkassen wurde mit Hinweis auf vermeintliche Gesundheitsgefahren aufgefordert, das Tragen von Masken im Unterricht zu untersagen. Ein solches Verbot würde – selbst wenn die Unfallkassen es durchsetzen könnten – den Grundprinzipien von Sicherheit und Gesundheit in Arbeit und (Schul-)Ausbildung widersprechen.

Bild: © schallundschnabel

Unternehmer*innen haben eine Fürsorgepflicht für ihre Beschäftigten. Dies bedeutet, dass sie diese durch technische, organisatorische oder personenbezogene/individuelle Maßnahmen vor potentiellen Gefahren bei der Arbeit/bei der Ausbildung schützen müssen. Analog gilt diese Fürsorgepflicht auch für die Träger der Schulen, Kitas und Universitäten für die dortigen Schüler*innen, Kita-Kinder und Studierende.

Die Maßnahmen sollen dabei immer dem TOP-Prinzip folgen:

  • Technische Maßnahmen (z. B. Trennwände aus Plexiglas im Kassenbereich) gehen vor. Reichen diese nicht aus, werden zusätzlich
  • organisatorische Maßnahmen (z. B. Regelungen zum Personaleinsatz) getroffen. Sind beide für einen wirksamen Schutz noch nicht ausreichend, müssen
  • personenbezogene Maßnahmen ergänzend beschlossen werden (z. B. das Tragen einer Bedeckung über Mund und Nase).

Kaum eine dieser Maßnahmen ist frei von Nebenwirkungen: Bei technischen Maßnahmen sind oft teure Nachrüstungen notwendig, organisatorische Maßnahmen verursachen oft zusätzliche Kosten durch zusätzliches Personal oder höheren Zeitaufwand, und auch personenbezogene Maßnahmen, wie persönliche Schutzausrüstungen, machen die Arbeit weniger komfortabel für die Träger*innen.

In einigen Fällen kollidieren Schutzprinzipien: eine Schutzmaßnahme gegen eine gravierende Gefährdung einerseits kann zu einer Verschlechterung der Bedingungen andererseits führen.

Abwägung der Maßnahmen zum Infektionsschutz

Somit ist bei allen Maßnahmen abzuwägen, welchen Nutzen sie bieten und welche Kosten ihnen gegenüberstehen. Diese Abwägung wird in jedem Einzelfall auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse seriöser Forschungsinstitute sowie der an die Unfallversicherungsträger gemeldeten Schadensfälle (Unfälle, Berufskrankheiten) getroffen. Dieser Stand der Technik bildet die Grundlage von Gesetzen, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften und Regeln des Staates und der Unfallversicherungsträger.

Alle Maßnahmen werden nach der Priorisierung folgender Ziele getroffen:  

  • Am wichtigsten ist die Prävention von Todesfällen und bleibenden Körperschäden, wie sie in der Vision Zero (eine Welt ohne Unfälle mit schweren Folgen) zum Ausdruck kommt. Um sie zu vermeiden, sind selbst hohe Kosten und auch Einschränkungen in der Behaglichkeit der Arbeitenden zu tolerieren.
  • Am Ende der Ziel-Hierarchie stehen geringfügige Einschränkungen des Wohlbefindens oder minimale Körperschäden (z. B. "blaue Flecken"). Auch ihre Beseitigung ist ein Ziel der Prävention – aber kein vorrangiges.

Selbstverständlich spielt bei dieser Betrachtung nicht nur eine Rolle, wie hoch der potentielle Schaden wäre, sondern auch wie hoch dessen Eintrittswahrscheinlichkeit ist.

Der oben beschriebene Abwägungsprozess muss bei jedem auftretenden Problem vorgenommen werden:

Zum Beispiel ist ein Verbot bestimmter chemischer Substanzen (und die Umstellung auf risikoärmere, aber teurere Ersatzstoffe) immer dann angebracht, wenn der Kontakt mit der Substanz zu Vergiftungen oder zu schweren Erkrankungen wie Krebs führt.

In Kitas und Schulen etwa muss nicht-bruchfestes Glas in Laufbereichen ausgetauscht werden, wenn zu befürchten ist, dass ein Kind in eine Scheibe läuft und sich schwer verletzt – auch wenn dies eine hohe Investition bedeutet.

In einigen Fällen kollidieren Schutzprinzipien: eine Schutzmaßnahme gegen eine gravierende Gefährdung einerseits kann zu einer Verschlechterung der Bedingungen andererseits führen. Das Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) ist hierfür ein gutes Beispiel: Schutzbrillen, Helme oder eben Atemschutzgeräte schützen vor tödlichen oder schweren Verletzungen und Gesundheitsschäden. Sie stellen aber auch (selbst bei Auswahl besonders bequemer Exemplare) eine Erschwerung dar, da sie das Gesichtsfeld beeinträchtigen, das Atmen erschweren oder zu vermehrtem Schwitzen führen. In Abwägung der oben genannten Priorisierung ist das Tragen von PSA als personenbezogene Maßnahme trotzdem sinnvoll, solange es keine technischen oder organisatorischen Maßnahmen gibt, die die Gefahr eines schweren Unfalls oder gravierenden Körperschaden anders abwenden können.

Nicht immer lassen sich Räume gut genug lüften, um die Konzentration virenhaltiger Aerosole wirksam zu senken.

Masken schützen auch Schulkinder.

Diese Grundsätze gelten auch beim Schutz gegen COVID-19-Erkrankungen

Die aufgezeigten Grundsätze und die Abwägung von Kosten und Nutzen der einzelnen Maßnahmen sind universell gültig. Sie bilden daher auch die Grundlage für die Maßnahmen gegen die potentiell tödliche COVID-19-Erkrankung. Deren Übertragungsweg ist noch nicht in allen Punkten erforscht. Bekannt ist aber, dass die Übertragung über virenbelastete Tröpfchen und Aerosole sowie in geringem Umfang über Schmierinfektion stattfindet.

Entsprechend dem TOP-Prinzip muss in Schulen, Kitas und Büros also zunächst durch technische (z. B. durch eine gute Durchlüftung und Desinfektion von Oberflächen) oder organisatorische (z. B. Teilung von Klassen, Organisation von physischem Abstand oder Lüftungspausen) Maßnahmen die Übertragung von SARS-CoV-2-Viren verhindert werden.  

In vielen Situationen ist dies aber nicht möglich: Nicht immer lassen sich Räume gut genug lüften, um die Konzentration virenhaltiger Aerosole wirksam zu senken. Der Mindestabstand von 1,5 Metern kann auch nicht immer eingehalten werden, um eine Infektion über virenbelastete Tröpfchen zu vermeiden. In diesen Fällen bleibt als letztes Mittel das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (OP-Maske) oder einer Schutzmaske (FFP2 oder vergleichbare) als personenbezogene Maßnahme übrig, um einen wirksamen Schutz vor der Infektion zu erzielen.

Welche persönliche Schutzausrüstung genau notwendig ist, hängt vom Einsatzgebiet ab. Es ist aber einsichtig, dass jede der Masken zu einer geringfügigen bis mittleren Erhöhung des Atemwiderstandes führen und somit die Behaglichkeit der Träger*innen beeinträchtigen kann. Die Behauptung, es könne durch dauerhaftes Tragen zu einer CO2-Vergiftung kommen, kann auf der Basis wissenschaftlicher Untersuchungen ausgeschlossen werden. Das Volumen des Luftraums unter der Maske ist dafür in Relation zum Volumen jedes Atemzuges schlichtweg zu klein.

In Abwägung mit dem Risiko einer COVID-19-Erkrankung, die einen schweren bis tödlichen Verlauf nehmen kann, sind diese Beeinträchtigungen daher hinzunehmen. Es muss allerdings versucht werden, die Höhe dieser Beeinträchtigungen zu minimieren – etwa durch organisatorische Maßnahmen wie feste "Tragepausen" und den Austausch durchnässter Masken.

„Die Schließung der Schulen stellt überwiegend keine sinnvolle Alternative dar.“

Sinnvolle Alternativen prüfen

Keine der Anfragen die die Unfallkassen erreichen, beleuchten die Alternativen zur Maskennutzung. Selbstverständlich könnte auf die Nutzung einer MNB verzichtet werden, wenn ein regelmäßiger und ausreichender Luftaustausch und die Einhaltung des Mindestabstandes dauerhaft sichergestellt wären. Die Realität in Schulen sieht aber anders aus: Kaum ein Klassenraum ist für eine komplette Schulklasse unter Einhaltung des Mindestabstandes groß genug. Zudem können viele Schulfenster nicht oder nicht ausreichend geöffnet werden. Unter diesen Voraussetzungen ist ein Tragegebot einer MNB eine sinnvolle Schutzmaßnahme – insbesondere, wenn eine Regelung stadt- oder landesweit getroffen werden und damit den sehr heterogenen Gegebenheiten vor Ort Rechnung tragen soll.

All denen, die einen Verzicht von MNB in Schulen fordern, sollte die Frage nach ihren Alternativen gestellt werden:

  • Welche konkreten Maßnahmen sollen die Schutzwirkung der MNB ersetzen?
  • Stehen diese Maßnahmen zeitnah zur Verfügung?

Die Unfallkassen – auch die UKH – werden sich auch weiterhin bei ihren Empfehlungen in allen Fragen von Sicherheit und Gesundheit an den genannten und in der Fachwelt allgemein akzeptierten Grundsätzen orientieren. Nur diese basieren auf evidenzbasierten Untersuchungen seriöser Institute und bieten die Gewissheit, dass sie tatsächlich dem Stand der Technik entsprechen. Sie wird weiterhin die beschriebene Abwägung zwischen Kosten und Nutzen bei einzelnen Maßnahmen treffen und somit den unter den jeweiligen Umständen machbaren und optimalen Schutz ihrer Versicherten sicherstellen.

Häufige Fragen

Nach aktuellem Stand der Wissenschaft und Technik drohen Kindern und Jugendlichen keine Gesundheitsgefahren durch Mund-Nase-Bedeckungen (MNB). Das gilbt für MNB, Mund-Nase-Schutz (MNS, OP-Maske) und partikelfiltrieredne Atemschutzmasken (FFP-Masken) gleichermaßen. Die Sorgen sind unbegründet. Eltern und Erziehungsberechtigte können gemeinsam mit den Kindern abwägen, welcher Schutz am besten geeignet ist - ein Medizinprodukt (OP-Maske) oder eine Maske, die als persönliche Schutzausrüstung der Normierung entspricht (FFP). In Zeiten der Coronapandemie gibt es keine wirksame Alternative zum Tragen von Masken, wenn man nicht Kitas und Schulen schließen oder ein hohes Infektionsrisiko in Kauf nehmen will. Informationen vom Bundesumweltamt www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/innenraumluft/infektioese-aerosole-in-innenraeumen

Eine wirksame Mund-Nasen-Bedeckung (z. B. OP- oder FFP2-Maske - keine Stoffmaske) soll eng anliegen an Nase (biegbar), Wangen und Kinn. Sie sitzt sicher vor Nase und Mund, auch bei Kopfbewegungen. Das Material hat eine hohe Fadendichte. Test 1: Mit Druck aus dem Mund ausatmen - der Luftstrom muss an der vorgehaltenen Hand deutlich reduziert ankommen. Test 2: Hält man die Maske vor eine helle Lichtquelle, so soll die Lichtquelle nicht mehr erkennbar sein. Die MNB hat keine Durchstiche im Mund- und Nasenbereich. Sie ermöglicht eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff. Die MNB darf nur in absolut trockenem Zustand genutzt werden. Durchfeuchtete Masken schützen weder Träger*in noch Dritte.

Die Träger der Feuerwehren bzw. Hilfeleistungsorganisationen müssen vor der Wiederaufnahme abwägen, in welchem Umfang dies in der aktuellen Situation möglich bzw. erforderlich ist. Sie stellen dafür die nötige Ausrüstung zur Verfügung (z. B. Mund-Nase-Bedeckung/-Schutz, ggfs. FFP2-Masken, Hygieneartikel). Bei der Entscheidung wird die Pandemielage vor Ort berücksichtigt. Über erforderliche Maßnahmen informiert beispielsweise der Bundesfeuerwehrarzt auf der Website des Bundesfeuerwehrverbands www.feuerwehrverband-blog.de/wp-content/uploads/2020/04/Der_Bundesfeuerwehrarzt_Corona_R%C3%BCckkehr_VII.pdf. Lesen Sie auch die Hinweise der DGUV zum Umgang mit bzw. zum Schutz vor dem Coronavirus und den pandemiebedingten Einschränkungen: publikationen.dguv.de/regelwerk/publikationen-nach-fachbereich/feuerwehren-hilfeleistungen-brandschutz/feuerwehren-und-hilfeleistungsorganisationen/3786/fbfhb-016-hinweise-fuer-einsatzkraefte-zum-umgang-mit-bzw.-zum-schutz-vor-dem-coronavirus-sars-cov-2). So können Sie beurteilen, welche Maßnahmen für den Übungs- und Ausbildungsbetrieb erforderlich sind. Dort finden Sie auch eine Hilfestellung zur Einhaltung des Arbeitsschutzstandards bei der Feuerwehr, wenn der Ausbildungs- und Übungsdienst wieder aufgenommen wird.

Mundschutz oder Atemschutz in Form von Halbmasken sind bei der Ladetätigkeit nicht sinnvoll. Die Verschleppung von Keimen in den Gesichtsbereich ist eher beim An- und Ablegen der Masken zu erwarten. Deckel der Abfallsammelbehälter geschlossen halten. Nicht in die Behälter greifen. Abfälle nicht anfassen, Heruntergefallenes mit Schaufel oder Greifer bewegen. Sich möglichst von Personen fernhalten. Hygienemaßnahmen beachten bezüglich möglicher Kontaktflächen (Fahrzeuginnenraum, Türgriffe), z. B. Reinigung mit fettlösenden Haushaltsreinigern/Spülmittel. Diese sind aufgrund eines zusätzlichen mechanischen Effekts zur Inaktivierung und Entfernung von Coronaviren geeigneter als reine Desinfektionsmittel. Es sollten getränkte Einmaltücher genutzt werden. Wenn die Reinigung mittels Eimer und Wischlappen erfolgt, müssen danach sowohl Wischwasser als auch Lappen gewechselt werden. Handschuhe vor dem Einstieg ins Fahrerhaus ausziehen und diese, wenn möglich, nicht mit ins Fahrzeug nehmen. Türinnengriffe grundsätzlich nicht mit Handschuhen anfassen.

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