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Letzte Änderung: 27. November 2021
Videos zur Unterweisung für Entsorgungsbetriebe

So verhüten Sie Unfälle bei der kommunalen Abfallsammlung

Beim Einsammeln und der Behandlung von Abfällen sind Beschäftigte der Entsorgungsbetriebe erheblichen Gefahren ausgesetzt. Doch nicht nur die Beschäftigten sind gefährdet: Auch auf Fußgänger*innen und Radfahrende müssen die Beschäftigten der Müllabfuhr aufpassen. Um sie dafür besser zu sensibilisieren und damit Unfälle zu vermeiden, haben wir gemeinsam mit der Unfallkasse NRW zu verschiedenen Tätigkeiten bei der Abfallsammlung „Unterweisungsmodule“ erstellt. Wir erklären, wie man sie am besten nutzt.

Die meisten Unterweisungen bei der Abfallsammlung werden früh am Morgen vor Beginn einer Tour durchgeführt. Die Aufmerksamkeit kann zu dieser Zeit noch etwas eingeschränkt sein. Deshalb ist eine kurzweilige und nicht ausufernde Unterweisung hilfreich.

So unterweisen Sie mit den Modulen

"Klassische" Unterweisungen sind häufig belehrend konzipiert. Grundsätzlich kann man jedoch davon ausgehen, dass die Beschäftigten zwar wissen, welche Arbeitsweise die "richtige" ist, diese jedoch in der Praxis nicht immer umsetzen – aus unterschiedlichen Gründen. Die Unterweisungsmodule hingegen sollen vor allem zur Diskussion über die individuelle Arbeitsweise anregen:

  • Zeigen Sie den Kolleg*innen oder Mitarbeiter*innen zuerst den Clip zum Thema, welches Sie unterweisen wollen. Der Clip zeigt, wie der Arbeitsvorgang „richtig“ bzw. „sicher“ durchgeführt werden soll. Das ist dann die Grundlage für die Diskussion.
  • Den Vortrag können Sie anschließend nutzen, um die wichtigsten Aspekte des Arbeitsvorganges nochmals explizit aufzuarbeiten. Und zu schauen: Was geht wie besser?
  • Die Moderationshinweise helfen der unterweisenden Person dabei, durch die Diskussion zu führen. Sie geben Hilfestellung, welche Aspekte aus Sicht der Unfallverhütung besonders wichtig sind.

Die Abfallexperten im Einsatz  Bild: © UKH

Module Rückwärtsfahren und Schüttung bei der Abfallsammlung

Die Clips zeigen den Idealfall. Wenn sich in den Betrieben die Praxis von der Theorie entfernt hat, gibt es dafür Gründe. Ziel sollte es sein diese zu ergründen, damit sie abgestellt oder beeinflusst werden können: Gibt es betriebliche Gründe? Liegt es an der Organisation z. B. der Tourenplanung oder Fahrzeugbesetzung? Oder liegt es eher in der Öffentlichkeit (an den Bürger*innen oder am Verkehr)? Oder gibt es überwiegend persönliche Gründe? Fehlen Vorbilder für eine gesunde Präventionskultur? Diese Fragen können nur in den Betrieben individuell beantwortet werden.

Denkbar ist auch, eigene Unfälle des Betriebs in der Unterweisung zu thematisieren und deren Ursache zu diskutieren.

Theorie und Praxis – (k)ein Widerspruch!?

Empfinden Sie die Vorgehensweise in den Videos als idealtypisch für die Abfallsammlung, aber zu weit weg von der Realität? Wir sagen: keinesfalls! Die Module zeigen die Arbeitswirklichkeit und berücksichtigen dabei auch das übergeordnete Unfallgeschehen und Erkenntnisse aus der Gefährdungsbeurteilung. Es ist noch nicht lange her, dass Fahrzeuge ohne Einweisende rückwärts in die engsten Straßen rangierten. Die Lader*innen gingen derweil voraus, um die Abfallbehälter zu positionieren. Bitte arbeiten Sie so nicht mehr, es ist zu gefährlich.

Einweisung durch ein oder zwei Personen?

Die Videos zeigen das Rückwärtsfahren mit zwei Einweisern – einer vor und einer hinter dem Fahrzeug, der die enge Rückfahrtstrecke überwacht. Es gibt Strecken, bei denen dies absolut notwendig und eine logische Konsequenz aus der Gefährdungsbeurteilung ist. Denn wenn der vordere Fahrzeugteil verschwenkt, ist dieser Bereich weder vom Fahrenden noch vom Einweisenden hinter dem Fahrzeug einsehbar.

Im günstigsten Fall werden so lediglich mögliche Sachschäden verhindert. Es gab jedoch bereits einen tödlichen Unfall, bei dem eine Passantin von dem eingeschlagenen Vorderrad bei der Rückfahrstrecke überrollt wurde. Um solche Gefahren und die notwendigen Maßnahmen zu erkennen, muss die Fahrzeugbesatzung entsprechend sensibilisiert werden.

Führen Sie die Diskussion als Unterweiser*in indem Sie die Frage diskutieren: "Gibt es auf eurer Sammeltour Orte oder Situationen, bei denen ein zweiter Einweiser sinnvoll und nötig ist?" Es soll nicht die Botschaft vermittelt werden, dass ab sofort nur noch mit zwei Einweiser*innen gearbeitet werden darf. Sich aktiv mit der Gefährdungsbeurteilung auseinanderzusetzen und sie zentral in die Überlegungen der Tourenplanung einzubeziehen, ist für uns moderner Arbeitsschutz.

Die Ergonomie nicht vergessen!

Das Video zur Schüttung zeigt das Bewegen von Abfallbehältern. Die Präsentation weist auf die große Belastung beim Transport oder beim Herumwirbeln der Behälter hin. Abfallsammlung ist eine schwere und belastende Tätigkeit. Solche oder vergleichbare Bewegungen, z. B. das Hochziehen von einem anfahrenden Fahrzeug bei der Trittbrettmitfahrt, führen zu Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparats. Dieser Fakt darf nicht mit einem Hinweis auf die tatsächliche Praxis bei der Abfallsammlung abgetan werden. Denn Muskel-Skelett-Erkrankungen oder dauerhafte Körperschäden werden den Unfallkassen häufig gemeldet. Und im schlimmsten Fall können Ihre Kolleg*innen ihre Arbeit nicht mehr ausüben.

Den Beschäftigten müssen die langfristigen Konsequenzen ihres Handelns vor Augen geführt und ergonomische und gesundheitserhaltende Verhaltensweisen vermittelt werden. Sprechen Sie mit Ihren Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen über gesündere Arbeitsweisen und nehmen Sie diese Module zum Anlass.

Die Unterweisung steht jedem zu

Beschäftigte in deutschen Unternehmen haben grundsätzlich das Recht, wenigstens einmal im Jahr in puncto Arbeitssicherheit „unterwiesen“ zu werden. Das bedeutet, dass sie über die Risiken ihres Jobs sprechen und notwendige Maßnahmen erfahren, damit die Arbeit sicher und ohne Schaden für die Gesundheit durchgeführt werden kann.

Bereits 2005/2006 konnte der Fachbereich "Entsorgung" der Prävention der UKH eine Gruppe von Sicherheitsexpert*innen aus kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieben in Hessen für ein gemeinsames Projekt gewinnen. Damals ging es um Unfälle beim Ein- und Aussteigen aus Fahrzeugen der Abfallsammlung, seinerzeit ein echter Unfallschwerpunkt. Das dabei entstandene Video "Sicherheit beim LKW-Ausstieg" ist noch heute auf dem YouTube-Kanal der UKH präsent und wird in vielen Betrieben regelmäßig bei Unterweisungen eingesetzt.

Rückwärtsfahren bei der Abfallsammlung

Weitere Informationen

Wenn Sie als Unterweisende auch mit alltäglichen Unfallmeldungen aus der Presse hinweisen möchten, können Sie sich für den wöchentlichen Newsletter zur Abfallsammlung anmelden (E-Mail an t.rhiel(at)ukh.de).

Die Clips wurden mit Unterstützung des Betriebshofs Bad Homburg gedreht. Das gesamte Vorhaben erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen. Für den Jahresverlauf 2021 ist die Fertigstellung der Module "Sperrmüllabfuhr" und "Trittbrettfahrt" geplant.

Häufige Fragen

Mundschutz oder Atemschutz in Form von Halbmasken sind bei der Ladetätigkeit nicht sinnvoll. Die Verschleppung von Keimen in den Gesichtsbereich ist eher beim An- und Ablegen der Masken zu erwarten. Deckel der Abfallsammelbehälter geschlossen halten. Nicht in die Behälter greifen. Abfälle nicht anfassen, Heruntergefallenes mit Schaufel oder Greifer bewegen. Sich möglichst von Personen fernhalten. Hygienemaßnahmen beachten bezüglich möglicher Kontaktflächen (Fahrzeuginnenraum, Türgriffe), z. B. Reinigung mit fettlösenden Haushaltsreinigern/Spülmittel. Diese sind aufgrund eines zusätzlichen mechanischen Effekts zur Inaktivierung und Entfernung von Coronaviren geeigneter als reine Desinfektionsmittel. Es sollten getränkte Einmaltücher genutzt werden. Wenn die Reinigung mittels Eimer und Wischlappen erfolgt, müssen danach sowohl Wischwasser als auch Lappen gewechselt werden. Handschuhe vor dem Einstieg ins Fahrerhaus ausziehen und diese, wenn möglich, nicht mit ins Fahrzeug nehmen. Türinnengriffe grundsätzlich nicht mit Handschuhen anfassen.

Verringern Sie die gleichzeitige Anwesenheit und Begegnungen der Teams auf dem Betriebshof, z. B. durch unterschiedliche Abfahrtszeiten. Das Aussetzen der Zeiterfassung kann unnötige Anwesenheitszeiten sowie das Aufeinandertreffen an Erfassungsterminals verhindern. Gemeinsames Frühstücken oder Kaffeetrinken mit anderen Besatzungen bitte unterlassen. Die Zahl der Mitfahrenden im Fahrerhaus möglichst begrenzen. Neben dem Fahrer sollte nur eine weitere Person im Fahrerhaus mitfahren. Anders ist es nur, wenn organisatorisch sichergestellt ist, dass das Team privat diszipliniert und während der Arbeitszeit nur innerhalb des eigenen Teams unterwegs ist. Die Teams sind möglichst auf Dauer zu bilden, um die Anzahl der Kontaktpersonen so gering wie möglich zu halten. Beim Reden im Fahrerhaus nicht das Gegenüber ansehen, sondern Abstand halten. Fahrerhaus möglichst oft lüften. Das Fahrzeug mindestens arbeitstäglich mit geeigneten Mitteln (fettlösende Haushaltsreiniger/Spülmittel) reinigen, insbesondere bei schichtweiser Nutzung eines Fahrzeugs durch verschiedene Fahre*innen. Desinfektionsmittel und Waschgelegenheit müssen am Fahrzeug mitgeführt werden.

Zur Vermeidung direkter Kontakte sollte die gleichzeitige Anzahl der Kund*innen auf dem Hof begrenzt werden. Erweitern Sie gegebenenfalls die Öffnungszeiten (Entzerrung) und kommunizieren diese Maßnahme. Ermöglichen Sie Abstände vor dem Kassenhäuschen; Einweiser halten Abstand zu den Einliefernden.Treffen Sie Abstandsregelungen bei der Schadstoffannahme und verdeulichen diese durch Markierungen; Kund*innen und Beschäftigte sollten sich nicht gleichzeitig im Annahmebereich aufhalten.

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