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Letzte Änderung: 27. November 2021
Betriebliches Gesundheitsmanagement in Betrieben und Bildungseinrichtungen

Beschäftigte mit strategischem Gesundheitsmanagement binden

So entstehen Unfallverhütungsvorschriften, Branchenregeln, Verordnungen und Regeln für Unternehmen und Betriebe: Unternehmerinnen und Unternehmer sind gesetzlich verpflichtet, Arbeitsplätze so zu gestalten, dass sie keine Risiken für Leib und Leben der Beschäftigten bieten. Sie treffen also die erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sowie für eine wirksame Erste Hilfe. Auch müssen sich alle Beschäftigten so verhalten, dass sie sich nicht selbst oder ihre Kolleginnen und Kollegen gefährden. Die Pflichten dazu finden sich zunächst – theoretisch – in den einschlägigen Gesetzen. Konkreter sind sie in Unfallverhütungsvorschriften, Branchenregeln, Verordnungen und Regeln beschrieben. Wie aber entsteht dieses Regelwerk und wer arbeitet daran mit? Und: Welche Bedeutung haben diese Grundlagen für den gelingenden Arbeitsschutz in den Betrieben?

Qualitätskriterien eines Managements für Sicherheit und Gesundheit im Betrieb und in Bildungseinrichtungen

Grundlage zur Planung, Durchführung und nachhaltigen Implementierung ist die gemeinsame Veröffentlichung „Qualitätskriterien im Präventionsfeld ‚Gesundheit im Betrieb‘ der gesetzlichen Unfallversicherungsträger und der DGUV“. Grundlage „Gesundheit im Betrieb“ ist also ein funktionierender Arbeitsschutz, in dem die gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes und weitere relevante öffentlich-rechtliche Verpflichtungen eingehalten werden.

Das in dem Grundsatzpapier beschriebene Drei-Ebenen-Modell bildet diese Grundlage ab.


Ebene 1 - Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes

Die erste Ebene ist die grundlegende Voraussetzung für einen gesunden Betrieb oder eine Bildungseinrichtung: die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes.

Ebene 2 – Prozesse

Die zweite Ebene (Prozessebene) beschreibt die Rahmenbedingungen, Prozesse und Strukturen, die die Grundlage für eine erfolgreiche Gesundheitsarbeit im Betrieb bilden.

Die Prozessebene orientiert sich am PDCA-Regelkreis (Plan-Do-Check-Act), also Diagnose, Planung, Intervention und Evaluation, und baut Schritt für Schritt aufeinander auf. Hierzu gehören die Gesundheitspolitik der Organisation, deren Ziele, Strukturen und verfügbaren Ressourcen sowie die Schritte:

  • Analyse
  • Maßnahmenplanung
  • Maßnahmenumsetzung
  • Evaluation
  • kontinuierliche Weiterführung und Verbesserung der Gesundheitsarbeit im Betrieb

Insbesondere die strukturellen Voraussetzungen, basierend auf der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes, spielen hierbei im Zusammenspiel mit organisationalen Rahmenbedingungen die entscheidende Rolle.

Sportkurse können eine Maßnahme zur Stärkung der Gesundheitskompetenz der Beschäftigten sein.

Ebene 3 – Umsetzung

Die dritte Ebene umfasst die Umsetzungsprinzipien. Hier werden Grundsätze zusammengefasst, die bei den einzelnen Schritten der Prozessebene von Bedeutung sein können und somit bei der Planung und Durchführung beachtet werden sollten:

  • Qualifizierung der handelnden Akteur*innen
  • Information und Kommunikation (Transparenz)
  • Partizipation der Beschäftigten
  • Marketing (Förderung und Werbung für „die Sache“)
  • externe Unterstützung und Netzwerke
  • Diversity (Gender, Inklusion)
  • Dokumentation der Maßnahmen und Ergebnisse

Alle Strukturen, Prozesse und Ergebnisse zur Förderung der Gesundheit im Betrieb sind unter Berücksichtigung von Art und Größe der Organisation somit nicht nur präventiv integriert, um Gesundheitsrisiken abzuwenden, sondern auch proaktiv gestaltet.

„Betriebliches Gesundheitsmanagement umfasst die systematische Entwicklung und Steuerung betrieblicher Rahmenbedingungen, Strukturen und Prozesse, die die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeit und Organisation sowie die Befähigung zum gesundheitsfördernden Verhalten zum Ziel haben.“

Gemeinsames Verständnis der gesetzlichen Unfallversicherung

Der öffentliche Dienst ist besonders gefordert

Im öffentlichen Dienst sind die gesellschaftspolitischen Entwicklungen genauso abgebildet wie in anderen Beschäftigungsverhältnissen:

  • zunehmende Risikofaktoren wie Bewegungsmangel
  • zunehmende psychische Fehlbelastung
  • hohe Krankenstände mit z. T. langen Ausfallzeiten
  • demografischer Wandel und Fachkräftemangel
  • Digitalisierung und Arbeiten 4.0 etc.

Um aus der Kranken- und Fluktuationsquote die richtigen Schlüsse ziehen zu können, ist Voraussetzung, dass das Management für Sicherheit und Gesundheit differenziert betrachtet werden kann. Daher ist Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) nicht nur der Weg von der Bestandsanalyse bis hin zu medizinischen Checkups und Mitarbeiterbefragungen, sondern prioritär eine strategische Führungsaufgabe, die kontinuierliches Dranbleiben erfordert. Wer die interne Kommunikation bei diesen Aufgaben mit ins Boot holt und transparent dazu informiert, stärkt die Identifikation der Beschäftigten mit dem Betrieb und wirkt einer hohen Fluktuation entgegen.

Bedürfnisse von Führung und Beschäftigten oft kongruent

Sicher und gesund bis ins Rentenalter arbeiten zu können ist gleichermaßen Wunsch der Beschäftigten als auch der Arbeitgeber*innen. Deshalb ist eine gesunde und gesundheitsförderliche Unternehmenskultur so wichtig:

  • demografische Entwicklung sorgt für Nachwuchsproblem
  • Wunsch, bis zur regulären Rente gesund zu bleiben
  • Fachkräftemangel erhöht die Konkurrenz innerhalb der Branche
  • Bindung der Beschäftigten ist Wettbewerbsvorteil
  • steigende psychische Belastungsfaktoren (z. B. ständige Erreichbarkeit und Forderung durch Digitalisierung)

Das Betriebsklima und die Zufriedenheit der Beschäftigten sowie letztlich auch die Leistungs- und Veränderungsbereitschaft können mit einem umfassenden Management für Sicherheit und Gesundheit mitgestaltet werden.

Überblick zu Gesundheit im Betrieb

Vorteile für das Unternehmen/den Betrieb/die Bildungseinrichtung:

  • Senkung von Fehlzeiten und Fluktuation der Beschäftigten
  • Steigerung von Bindung und Produktivität der Beschäftigen
  • bessere Innovationsfähigkeit und somit Wettbewerbsfähigkeit
  • höhere Produkt- und Dienstleistungsqualität
  • mehr Kundenzufriedenheit
  • besseres Unternehmensimage

Vorteile für die Arbeitnehmer*innen:

  • mehr Wohlbefinden und besseres Arbeitsklima
  • bessere Beziehungen im Kollegium
  • bessere und mehr innerbetriebliche Kommunikation
  • höhere Arbeitszufriedenheit
  • höhere Motivation

Zur Aufgabe der gesetzlichen Unfallversicherung gehört die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Hierzu gehören auch bedarfsgerechte Elemente des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, wenn sie zum Abbau von Gesundheitsgefahren bzw. zur Vermeidung einer Entstehung von Gesundheitsgefahren im Betrieb beitragen können. Das betriebliche Management für Sicherheit und Gesundheit umfasst die daraus resultierenden Fragen zum Thema „Gesundheit im Betrieb“. Unabhängig der Pflicht der Arbeitgeber*in sowie der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind in diesem Zusammenhang die Sozialgesetzbücher zu nennen (SGB V, VII, IX) sowie das Arbeitsschutzgesetz und das Arbeitssicherheitsgesetz. Weitere Gesetze und Verordnungen beeinflussen das Handlungsfeld Gesundheit im Betrieb.