Letzte Änderung: 19. April 2026

Einsatzstellenhygiene

Warum Schwarz-Weiß-Trennung so wichtig ist

Bei Brandeinsätzen können Feuerwehrangehörige mit gefährlichen Stoffen in Kontakt kommen. Ein konsequentes Hygienekonzept mit Schwarz-Weiß-Trennung hilft, Risiken zu minimieren und Einsatzkräfte zu schützen. Doch was bedeutet das eigentlich und wie lässt sich das in der Praxis umsetzen?

Paul McCartney und Stevie Wonder sangen einst über „Ebony and Ivory“, also Schwarz und Weiß im harmonischen Miteinander. Auch Yin und Yang gelten in der chinesischen Philosophie als untrennbare Einheit. Bei der Feuerwehr ist das anders. Hier ist eine klare Trennung von Schwarz und Weiß ausdrücklich gewünscht. Und zwar aus gutem Grund: dem Schutz der Einsatzkräfte. Doch was bedeutet diese Trennung genau? Und welche Rolle spielt dabei ein Hygienekonzept?

Was bedeutet Schwarz und Weiß?

Im Hygienekonzept der Feuerwehr stehen die Farben für unterschiedliche Bereiche.

  • Schwarz: Bereich mit möglicher Gesundheitsgefährdung durch Gefahrstoffe.
    Einsatzkräfte können Schadstoffen ausgesetzt sein. Hier spricht man von einer Gefahrstoffexposition. Diese kann zum Beispiel über Atemwege, die Haut oder den Verdauungstrakt erfolgen. Auch wenn der Einsatz bereits beendet ist, besteht weiterhin ein Risiko. Anhaftende Rußpartikel können noch lange Schadstoffe enthalten. Gelangen diese weiter in Fahrzeuge, Gebäude oder sogar nach Hause, spricht man von Kontaminationsverschleppung. Genau das soll verhindert werden.
  • Weiß: Bereich, von dem keine Gesundheitsgefährdung ausgeht.

Bei Bränden lässt sich der Kontakt mit Gefahrstoffen oft nicht vermeiden. Hier schützt vor allem das konsequente Tragen der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA). Doch der notwendige Schutz endet nicht mit dem Löschen des Brandes.

Das Optimum an der Einsatzstelle

Ein Beispiel: Die Feuerwehr wird zu einem Einsatz mit dem Stichwort „F2“ alarmiert. Atemschutzgeräteträger kommen zum Einsatz. Bereits hier muss die Hygiene mitgedacht werden. Noch bevor der Einsatz beginnt, sollte klar sein:

  • Wo können Einsatzkräfte ihre kontaminierte Kleidung ablegen?
  • Wie wird die Ausrüstung transportiert?
  • Wie wird eine Verschleppung von Schadstoffen verhindert?

Optimal ist ein Fahrzeug mit spezieller Ausstattung für die Einsatzstellenhygiene. Dort können Einsatzkräfte:

  • kontaminierte Einsatzkleidung geschützt ablegen
  • Hände, Unterarme, Nacken und Gesicht mit warmem Wasser und Seife reinigen
  • Wechselkleidung anziehen (z. B. Jogginganzüge)

Die kontaminierte Kleidung wird anschließend verpackt, getrennt transportiert und zur Reinigung zur Feuerwehr oder zu einem Dienstleister gebracht. Stiefel und Ausrüstung werden vor Ort grob gereinigt, verpackt und ebenfalls transportiert.

Schutz für unterstützende Einsatzkräfte

Auch Feuerwehrangehörige, die beim Ablegen und Verpacken der PSA helfen, müssen geschützt sein. Die Mindestausrüstung:

  • Feuerwehrschutzkleidung
  • Feuerwehrschutzschuhe
  • Einwegschutzhandschuhe
  • flüssigkeitsdichte (Einweg-)schürze (ggf. mit Ärmeln)
  • partikelfiltrierende Halbmaske FFP3
  • ggf. Körperschutz
  • ggf. Augenschutz

Umsetzung der Schwarz-Weiß-Trennung an der Einsatzstelle

  • Schwarzbereich: kontaminierte Kleidung und Ausrüstung verpackt in geeignetem Fahrzeug
  • Weiß- bzw. Graubereich: "grob" gereinigte Einsatzkraft in sauberer Wechselkleidung im Einsatzfahrzeug

Umsetzung der Schwarz-Weiß-Trennung im Feuerwehrhaus

Auch im Feuerwehrhaus spielt die Schwarz-Weiß-Trennung eine zentrale Rolle. Im Idealfall gelangen Einsatzkräfte direkt von der Fahrzeughalle in den Sanitärbereich, ohne andere Räume zu betreten. Dort können sie duschen, Wechselkleidung ablegen und die benutzte Kleidung in eine Wäschebox werfen. Von dort geht es anschließend direkt in den Umkleidebereich. Idealerweise steht ein zweigeteilter Spind zur Verfügung, der Einsatzkleidung und Privatkleidung voneinander trennt.

  • Schwarzbereich: Waschbereich für kontaminierte Kleidung und Ausrüstung
  • Schwarz- bzw. Graubereich: Fahrzeughalle
  • Weißbereich: Sanitärbereich, Umkleide

Auch bei der Reinigung von Einsatzkleidung und Ausrüstung besteht ein Risiko der Gefahrstoffexposition, das durch geeignete Schutzkleidung minimiert werden kann. Hier sollte auf folgendes geachtet werden:

Mindestausrüstung:

  • körperbedeckende Schutzkleidung
  • wasserdichte Sicherheitsschuhe (S3) oder Feuerwehrschutzschuhe
  • Einmalschutzhandschuhe (ggf. mit langer Stulpe)
  • flüssigkeitsdichte (Einweg-)Schürze mit Ärmeln
  • FFP3-Maske bei möglicher Staubentwicklung

Mögliche Ergänzungen:

  • Augenschutzbrille
  • Chemikalienschutzhandschuhe
  • flüssigkeitsdichter Schutzanzug
  • gebläseunterstütztes Filtergerät mit Atemschutzhaube

Wichtig ist außerdem eine klare Regel: Einsatzkleidung hat in Aufenthaltsräumen, Schulungsräumen, Küche und Büros nichts zu suchen.

Das beschriebene Optimum im Feuerwehrhaus ist – zumindest baulich – bei einem Neubau zu berücksichtigen. Es geht um den Schutz der Einsatzkräfte. Hier dürfen keine Abstriche gemacht werden. Die Grundrisse und Erläuterungen in der Handlungsempfehlung „Musterfeuerwehrhaus Hessen“ zeigen auf, wie eine Schwarz-Weiß-Trennung geschickt umgesetzt werden kann.

Was tun bei älteren Feuerwehrhäusern?

Nicht jede Feuerwehr verfügt über ideale Bedingungen. Typische Herausforderungen sind zum Beispiel fehlende Duschen im Feuerwehrhaus, begrenzte finanzielle Mittel oder ein fehlender Gerätewagen „Hygiene“. Trotzdem lässt sich viel umsetzen.

Alternative Möglichkeiten zum Umziehen

Einsatzkräfte sollten sich witterungsgeschützt und sichtgeschützt von kontaminierter Einsatzkleidung trennen können. Mögliche Lösungen sind zum Beispiel:

  • Zelte
  • Faltpavillons
  • Sichtschutzwände

Alternative Möglichkeiten zur Grobreinigung:

  • Hygienekisten oder Hygieneboards auf Fahrzeugen
  • Wasseranschluss mit Wasserhahn (z. B. CB-Übergangsstück)
  • Seifenspender
  • Einmalhandtücher

Alternative Möglichkeiten bei fehlenden Duschen:

  • Nutzung eines anderen Feuerwehrhauses mit Duschen
  • Duschcontainer
  • Duschen in Sporthallen oder Dorfgemeinschaftshäusern

Wichtig ist: Diese Lösungen müssen fest organisiert und konsequent umgesetzt werden.

Ziel eines Hygienekonzepts

Ein gutes Hygienekonzept verfolgt mehrere Ziele:

  • klare Abläufe und Gewohnheiten, um die Exposition gegenüber Gefahrstoffen zu reduzieren
  • Duschen nach Einsätzen oder Übungen als Selbstverständlichkeit
  • Bewusstsein für die Gefahr der Kontaminationsverschleppung
  • Integration des Themas Hygiene in die Einsatzplanung

Denn: Schadstoffe sollen nicht im Fahrzeug, im Feuerwehrhaus oder zu Hause auf dem Sofa landen.

Faustregel: Ab wann ist eine Kontamination wahrscheinlich?

  • Wenn die Rauchentwicklung im Arbeits- bzw. Aufenthaltsbereich der Einsatzkräfte so stark war, dass umluftunabhängiger Atemschutz eingesetzt wurde, ist von einer Kontamination der eingesetzten PSA bzw. der Ausrüstung auszugehen.
  • Wo Rußniederschlag vorhanden ist, ist von einer Kontamination der betroffenen Flächen bzw. PSA und Ausrüstungsgegenstände auszugehen. Sobald Ausrüstungsgegenstände und PSA nach Brandrauch riechen oder sichtbar verschmutzt sind, z. B. durch Rußanhaftung, ist von einer Kontamination auszugehen.

Weitere Informationen

Vertiefende Informationen bietet die DGUV Information 205-035 „Hygiene und Kontaminationsvermeidung bei der Feuerwehr

Einen kurzen Überblick liefert auch ein vierminütiger Film zur Einsatzstellenhygiene.

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