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Letzte Änderung: 04. Dezember 2021
Ver- und Entsorgungsbetriebe: Abwasser

Sicher und gesund arbeiten in abwassertechnischen Anlagen

Allein in Hessen werden mehr als 700 Kläranlagen betrieben. Zu den Abwasserbehandlungsanlagen gehören oft noch großflächige Grünanlagen und verschiedene Werkstätten mit unterschiedlichen Gewerken, die von den Mitarbeiter*innen betreut werden. Weitere Aufgaben sind der Betrieb und die Instandhaltung des Kanalnetzes mit Pumpwerken und Regenrückhaltebecken. Die Tätigkeiten im Bereich von abwassertechnischen Anlagen gehören zu den gefährlichen im Vergleich mit anderen Branchen.

Versicherungsschutz für die Beschäftigten

Die Beschäftigte der meisten abwassertechnischen Anlagen und Abwasserverbände in Hessen sind bei der UKH gesetzlich unfallversichert. Die Beiträge für den Unfallschutz zahlen die Kommunen bzw. Verbände. Einige Beschäftigte in Kläranlagen von Kommunen und Verbänden sind kraft Gesetzes bei der BG ETEM versichert.

Untersuchung von Abwasserproben.

Diese Tätigkeiten sind in abwassertechnischen Anlagen zur Ver- und Entsorgung besonders gefährlich

Abstürzen und Ertrinken

Fast alle Tätigkeiten in abwassertechnischen Anlagen bergen ein hohes Gefährdungspotenzial.  Spezifische Gefährdungen sind beispielsweise die Absturzgefahr und Ertrinkungsgefahr in den Kanälen und Schächten. Grundlegende Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Umwehrungen als Absturzsicherung sind in der DGUV Vorschrift 22 Abwassertechnische Anlagen festgelegt. 

Infektionen

Gegen die Gefahr, Infektionen durch Keime des fäkalienhaltigen Abwassers zu erleiden, sind hygienische Maßnahmen wirkungsvoll, wie sie in der TRBA 220 beschrieben sind. Praxisnahe Beispiele zur Umsetzung dieser Regel zeigt die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) in ihrem Handbuch mit Best Practice Empfehlungen auf.

Auch die Haut der Beschäftigten ist durch die beiden Faktoren Feuchtarbeit und UV-Strahlung gefährdet.

Feuchtarbeit und UV-Strahlung

Die Haut der Beschäftigten ist durch die beiden Faktoren Feuchtarbeit und UV-Strahlung gefährdet. Das Hautportal der UKH nennt Schutzmaßnahmen, um die Hände vor Schäden durch Feuchtarbeit und um den ganzen Körper gegen Hauterkrankungen durch UV-Strahlung zu schützen.

Gefahr durch Gase und Sauerstoffmangel

Wichtig, dunklen oder engen Räumen, Schächten oder Kanälen muss immer mit dem Auftreten von gefährlichen Gasen und Dämpfen sowie Sauerstoffmangel gerechnet werden. Daher müssen die Beschäftigten vor jedem Einsteigen Gasmessungen durchführen und das Messgerät auch während der Arbeiten immer mit sich führen.

Video: Hautschutz bei Arbeiten in der Kläranlage

Ein gut gesicherter Einstieg.

Diese und weitere Schutzmaßnahmen sind in den Regeln DGUV Regel 103-004 "Arbeiten in umschlossenen Räumen" und DGUV Regel 103-008 "Steiggänge für Behälter und umschlossene Räume" beschrieben.

Achtung: Niemals darf eine Person allein in einen umschlossenen Raum einsteigen, ohne dass ein Sicherungsposten über Tage ist, um gegebenenfalls sofort Rettungsmaßnahmen einzuleiten!

Wichtig ist es, das Retten aus umschlossenen Räumen, wie Schächten und Kanälen, regelmäßig zu üben. Die Unterweisungshilfe DGUV Information 203-051 Sicherheit und Gesundheitsschutz im Abwasserbereich enthält dazu ein Video. Es klärt die Fragen, wie Retten ohne den Einsatz einer Feuerwehr möglich ist, ohne dass sich Retter oder Retterin selbst in Gefahr bringen.

Alleinarbeit

Unfall- und Gesundheitsgefahren bestehen auch bei Tätigkeiten wie Wartung, Instandhaltung und Reparatur von Anlagenteilen, bei Reinigungen und Kontrollgängen. Ein Großteil der Arbeiten findet im Freien statt, so dass die Beschäftigten Witterungseinflüssen wie Kälte, Hitze und Sonne ausgesetzt sind. Bei gefährlichen Arbeiten in Alleinarbeit, beispielsweise im Bereitschaftsdienst, haben die Beschäftigten ein höheres Risiko, bei einem Unfall einen Körperschaden zu erleiden. Wichtig ist die Möglichkeit, einen Notruf absetzen zu können, um rasch Erste Hilfe zu bekommen (DGUV Regel 112-139 "Einsatz von Personen-Notsignalanlagen" und DGUV Information 212-129 "Notrufmöglichkeiten für allein arbeitende Personen").

Es ist unerlässlich, das Retten aus umschlossenen Räumen, wie Schächten und Kanälen, regelmäßig zu üben.

Gefährdungsbeurteilung als Schlüssel

Alle relevanten Gefährdungen sowie körperliche und psychische Belastungen müssen in der Gefährdungsbeurteilung betrachtet werden. Dabei hilft die DGUV Information 203-063 "Gefährdungs- und Belastungs-Katalog – Beurteilung von Gefährdungen und Belastungen am Arbeitsplatz in der bwasserentsorgung".

Ein Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung kann sein, dass in den Anlagen ein besonderes Augenmerk auf wirksamen Explosionsschutz gelegt werden muss. Die Explosionsschutz-Regeln und das Explosionsschutzdokument finden Sie in der DGUV Regel 113-001 und der DGUV Information 213-106.

Einen hilfreichen Rundumblick zu allen wichtigen Aspekten von Sicherheit und Gesundheit im Abwasserbereich bietet die DGUV Regel "Branche Abwasserentsorgung".

Beratung durch Präventionsfachleute

Die Präventionsfachleute der UKH arbeiten eng mit den Führungskräften, den Sicherheitsbeauftragten und den Personalvertretungen, den Sicherheitsfachkräften und den Betriebsärzten und Betriebsärztinnen in den Betrieben zusammen. Durch Beratungen, z. B. im Vorfeld von Bau- und Sanierungsmaßnahmen, werden die Anforderungen der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes verdeutlicht. So können gemeinsam Wege und Lösungen für ein präventives Handeln in der Praxis erarbeitet werden.

Fachspezifische Fragen und Themen, die von bundesweitem Interesse sind, werden darüber hinaus vom Fachbereich „Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse/ Sachgebiet Abwasser“ der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) behandelt. Hier werden Vorschläge für Schutzmaßnahmen erarbeitet, die im Sinne einer bundeseinheitlichen Verfahrensweise u. a. in den Schriften der DGUV veröffentlicht werden. Informationen finden Sie auf den Seiten des Sachgebiets Abwasser der DGUV und der BG ETEM.

Häufige Fragen

Der Fachausschuss zum Arbeits- und Gesundheitsschutz der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) hat aus gegebenem Anlass aktuelle Hinweise zu Pandemiemaßnahmen in Abwasserbetrieben erarbeitet und passt diese regelmäßig an. Zur Webseite der DWA.

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