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Letzte Änderung: 24. November 2021
Hautschutz bei der Arbeit im Freien

Beschäftigte vor Sonnenschäden schützen mit dem TOP-Prinzip

Das Sonnenlicht trägt maßgeblich zu unserem Wohlbefinden bei. Fehlt es, wirkt sich das negativ auf unsere Stimmungslage aus. Auch für Stoffwechselprozesse wie die Vitamin-D-Produktion ist die Sonne unentbehrlich. Die Schattenseite: das Sonnenlicht mit seinen sichtbaren und nicht sichtbaren Strahlungsanteilen birgt große Risiken für die Haut. Dort, wo Menschen im Freien unter der Sonne arbeiten, sind Arbeitgebende verpflichtet, auch die UV-Strahlung bei der Gefährdungsbeurteilung und der Auswahl der Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen.

Sonnenbrand (akuter Hautschaden) und vorzeitige Hautalterung oder Hautkrebs (chronische Hautschäden) gehen vor allem auf die ultravioletten Anteile (UV-Strahlung) im Sonnenlicht zurück. Während die langwelligen UV-A-Anteile tief in die Haut eindringen und vor allem für eine vorzeitige Hautalterung sorgen, ist es in erster Linie die UV-B-Strahlung, die Sonnenbrände und Hautkrebs verursacht. Die Gefährdung für die Haut und damit die Gesundheit ist vom Stand der Sonne, also von der Tages- und der Jahreszeit abhängig.

In den Mittagsstunden erreichen ca. 60 % der über den ganzen Tag einfallenden UV-Strahlen die Erde.

Wann die Sonne am gefährlichsten ist

Eine hohe UV-A- und UV-B-Belastung tritt von Mitte April bis Mitte September auf. In diesen Monaten ist die tägliche UV-Dosis 400 – 600 % höher als zum Sonnentiefststand im Winter. In den Mittagsstunden (von 11 bis 15 Uhr) ist die Strahlung besonders hoch. In dieser Zeitspanne erreichen ca. 60 % der über den ganzen Tag einfallenden UV-Strahlen die Erde.

Die Strahlungsbelastung wird in Deutschland mit dem Gefahrenindex, dem sogenannten UV-Index, angegeben. Der Wert 0 steht dabei für eine niedrige, der Wert 11 für eine extreme gesundheitliche Gefährdung. In Hessen kann der UV-Index (UVI) im Sommer Werte von bis zu 8, im Hochgebirge auch bis zu 10 erreichen. Ab einem Wert von 3 werden Maßnahmen zum Schutz vor der Sonne empfohlen, ab einem Wert von 6 sind sie erforderlich und ab einem Wert von 8 unverzichtbar.

UV-Index: Gefahrenklassen

UV-Index: Gefahrenklassen
1/2 ➔ gering
3/4/5 ➔ mittel
6/7 ➔ hoch
8/9/10 ➔ sehr hoch
11 + ➔ extrem

Risiken für die Gesundheit beim Arbeiten in der Sonne

Natürlich ist das Risiko für gesundheitliche Schäden bei Beschäftigten, die im Freien arbeiten, besonders hoch. Nicht alle, die sich außerhalb von Gebäuden aufhalten, sind dabei in gleichem Maße der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Die gefährliche Strahlendosis ist im Schatten, in geschlossenen Fahrzeugen usw. wesentlich niedriger als beim Aufenthalt in der Vollsonne.

Risiko Hautkrebs

Heute werden immer mehr Fälle von Hautkrebs festgestellt, die auf eine langjährige, oft ungeschützte Sonnenexposition (=Aufenthalt in der Sonne) zurückgehen. Dazu hat sicher auch der Irrglaube beigetragen, dass eine Bräunung der Haut vor den Folgen der UV-Strahlung schützt.

Das ist falsch! Der „Schutzfaktor“, der maximal durch eine vorgebräunte Haut erzielt werden kann, entspricht ungefähr einer Sonnencrème mit Lichtschutzfaktor (LSF). Das ist quasi nichts.

Gefährdungsbeurteilung für Beschäftigte, die draußen arbeiten

Wenn die Sonnenstrahlung zu einem Risiko gehört, das in Zusammenhang mit der Arbeit steht, sind Arbeitgeber*innen verpflichtet, dieses Risiko bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen und ggf. Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Bei der Gefährdungsbeurteilung müssen der Zeitpunkt und die Dauer der Arbeiten im Freien, die Umgebungsbedingungen (z. B. Arbeiten in der Nähe von reflektierenden Oberflächen), die Schwere der Arbeit, die Arbeitskleidung und persönliche Schutzausrüstung usw. berücksichtigt werden. Typische Berufsgruppen, die im Freien arbeiten, sind Beschäftigte im Straßen-, Hoch- oder Tiefbau, in der Grün- oder Tierpflege, Arbeiter*innen im Wald usw. Berufsgruppen, die sich auch häufig in der Sonne aufhalten, aber nicht typischerweise zu den „Draußenarbeiter*innen“ zählen, sind Beschäftigte in Kitas oder der Tagespflege, Mitarbeiter*innen der Ver- oder Entsorgungsbetriebe, Platzwarte, Hausmeistereien etc.

Beschäftigte schützen nach dem TOP-Prinzip

Auch beim Schutz vor UV-Strahlung gilt, dass technische (T) und organisatorische (O) Maßnahmen wirkungsvoller sind als individuelle Maßnahmen (P). Wenn möglich sollte deshalb der Bereich, in dem sich die Beschäftigten im Freien während der Arbeitszeit aufhalten, im Schatten liegen. Hierzu können etwa Sonnensegel, Sonnenschirm, Pavillon o. Ä. verwendet werden.

T - Technische Alternativen bieten

Bei der Beschaffung von Arbeitsgeräten mit Fahrersitz (z. B. Aufsitzmäher, Kleintraktor usw.) sollte auf jeden Fall Maschinen mit einer Kabine der Vorzug gegeben werden. Da dies alleine noch nicht reicht, muss auch auf eine entsprechende Belüftung (ggf. sogar Klimatisierung) geachtet werden, da sich ansonsten die Kabine zu stark aufheizt. Ist das der Fall, nutzen die Fahrer*innen die Seitenfenster zur Lüftung und machen damit die Schutzfunktion zum Teil zunichte.

O - In der Arbeitsorganisation nachsteuern

Da die Sonnenstrahlung rund um die Mittagszeit am stärksten ist, sollten Arbeitsaufträge, bei denen die Mitarbeiter*innen besonders der Sonne ausgesetzt sind, z. B. Mäharbeiten auf großen, sonnenexponierten Flächen, in die Randzeiten des Tages verlagert werden. Eventuell kann auch die Arbeitszeit in die Morgenstunden vorgezogen werden.

P – Beschäftigte sensibilisieren

Technische und organisatorische Maßnahmen allein reichen nicht, um die Mitarbeiter*innen zuverlässig vor der natürlichen UV-Strahlung zu schützen.

Safari Caps schützen die Kopfhaut und die Haut im Nacken.

„Persönliche Schutzausrüstung“ gegen Sonnenstrahlung?

Geeignete Kleidung ist zum Sonnenschutz unerlässlich. Die Kleidung sollte aber das Risiko für einen Unfall nicht erhöhen.

Achten Sie bei der Kleiderauswahl auf Folgendes:

  • dichtgewebte, langärmelige Kleidung
  • Hemden und Blusen werden geschlossen getragen
  • leichte und atmungsaktive Kleidung, um einen Hitzestau zu vermeiden
  • hoher Tragekomfort erhöht die Akzeptanz

So sieht die perfekte Kopfbedeckung aus:

  • ausreichend breite Krempe (oder „Safari Cap“) und Nackenschutz
  • hoher Tragekomfort (Atmungsaktivität, Gewicht, Passform)
  • bei Helmen: Nackenschutz anbringen

Es gibt mittlerweile auch Helme mit einer breiten Krempe, die Stirn, Ohren und Nacken besser vor der Sonne schützen.


Schutz der Augen nicht vergessen!

Bei der Arbeit im Freien ist es außerdem sinnvoll eine Sonnenbrille zu tragen. Die Brille schützt nicht nur vor Blendung, die auf Dauer zu Augenbrennen und Kopfschmerzen führen kann. Sie verhindert auch, dass die Augen, insbesondere die Augenlinse, durch langjährige Sonnenexposition geschädigt werden. Auch beim Kauf einer Sonnenbrille müssen verschiedene Punkte beachtet werden. Neben Qualität, Tönung und Tragekomfort muss auf die Lichtdurchlässigkeit geachtet werden.

Für Mitteleuropa wird die Kategorie II mit einer Lichtdurchlässigkeit von ca. 18 bis ca. 43 % empfohlen. Brillen mit einer geringeren Lichtdurchlässigkeit (wie Kategorie IV) dunkeln zu sehr ab und sind im Straßenverkehr ungeeignet.

Sonnenschutzmittel können bei konsequenter Anwendung dazu beitragen, hellem Hautkrebs vorzubeugen.

Hellem Hautkrebs mit Sonnenlotion vorbeugen

Sonnenschutzmittel sind primär entwickelt worden, damit keine Sonnenbrände entstehen.  Bei konsequenter Anwendung können sie aber auch dazu beitragen, hellem Hautkrebs vorzubeugen. Die Anwendung ist jedoch nicht so einfach, wie oft vermutet. Denn um den angegebenen LSF zu erreichen, muss eine ausreichend große Menge an Lotion oder Creme gleichmäßig aufgetragen werden. Wer schwitzt, muss häufiger nachcremen, um den Schutz zu erhalten.

Achtung: Mit Nachcremen verlängert sich der Schutz nicht, er wird lediglich erhalten!

Auch Arbeiten mit Staubentwicklung Schmutz auf der Haut kleben bleibt, ist kritisch für die Schutzwirkung. Bei der Auswahl der Sonnenschutzmittel muss deshalb auf die Akzeptanz (Klebrigkeit, Geruch usw.) besonderen Wert gelegt werden. Die allermeisten verwenden aber zu wenig Sonnenschutzmittel. Daher ist auch der Einsatz dieser Mittel als alleinige Schutzmaßnahmen keinesfalls ausreichend, weshalb technische und organisatorische Maßnahmen immer mitbedacht werden sollten.

Häufige Fragen

Für Arbeitsplätze, an denen bereits ein Hautschutzplan aufgrund von Hautgefährdungen oder Hygienevorschriften vorhanden ist, sind die dort festgelegten Maßnahmen weiterhin zu beachten. Es sind keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich. Für Personen, die keine Tätigkeiten mit erhöhter Hautbelastung ausüben kann sich infolge der zusätzlichen Hygienemaßnahmen der Pflegebedarf der Hände erhöhen. Häufiges Händewaschen, die Händedesinfektion und das Tragen von Handschuhen belasten die Haut. Die konsequente Anwendung von Hautpflegemitteln zur Regeneration der Hautbarriere und Vermeidung von Hautveränderungen ist deshalb sehr wichtig. Cremen Sie sich nach jedem Händewaschen/Desinfizieren die Hände. Für das Eincremen nach der Arbeit sind fetthaltige Cremes zu empfehlen. Nutzen Sie dafür Produkte ohne Duftstoffe. Tipp: Denken Sie beim Eincremen an Fingerkuppen, Nagelfalz und Fingerzwischenräume! Werden Einmalhandschuhe verwendet, beachten Sie folgendes: Handschuhe möglichst wechseln, wenn sie innen feucht sind. Eventuell Baumwollhandschuhe unterziehen (ebenfalls rechtzeitig wechseln) Nach der Benutzung Hautpflegemittel auftragen. Die Anwendung von Hautschutz- oder Hautpflegemitteln unter Einmalhandschuhen wird nicht empfohlen, da für eine Schutzwirkung (Verringerung der Hautquellung, bzw. des Schwitzens) bisher keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Zudem kann je nach Zubereitungsform das Aufquellen der Haut unter dem Handschuh und das Herauslösen von Handschuhinhaltsstoffen gefördert werden.

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