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Letzte Änderung: 03. Dezember 2021

Gesunde Akustik als Schlüssel gegen den Kita-Lärm

Ist Ihre Kita optimal gegen Lärm gedämmt?

Warum ist es in Kita und Kindergarten eigentlich so laut? Muss das sein? Die Kinder sind wohl die eine Ursache, die Gestaltung der Gebäude und die Raumeinrichtung kann eine andere Ursache für erhöhten Lärm sein. Die gute Nachricht: Man kann dem Lärm und seinen gesundheitlichen Folgen entgegenwirken. Wir haben Tipps und praktische Hinweise für Planer*innen, Architekt*innen, Kita-Leitungen und Erzieher*innen zusammengestellt.

Wenn die Umgebung für die kindliche Sprachentwicklung förderlich und gesunde, stressarme Arbeitsbedingungen geschaffen werden sollen, bedarf es einer optimierten Raumakustik.

Die zwei Arten von Schall

Bei der Dämmung von Kita-Gebäuden wird grundsätzlich in zwei Arten von Dämmung unterschieden:

  • Dämmung von Körperschall, das heißt, die Verringerung der Schwingungen von Möbeln und sonstigen Einrichtungsgegenständen.
  • Dämmung von Luftschall, das heißt, die Verminderung der durch Reflektion an Wänden und Decken auftreffenden Schallwellen.

In geschlossenen Räumen reflektieren Wände, Decken, Böden und Einrichtungsgegenstände die Schallwellen mehr oder minder stark. Je nach Oberflächenstruktur wird ein größerer oder kleinerer Teil des Schalls absorbiert bzw. reflektiert. Ein akustisch optimal gestalteter Raum zeichnet sich daher durch ein hohes Absorptionsvermögen aus. Die Schallabsorption beruht vor allem auf der Umwandlung der Schallenergie in Wärmeenergie, verursacht durch Reibung der sich in den Poren bewegenden Luftteilchen.

Wenn Räume „hallig“ klingen, ist die Raumakustik mangelhaft.

Welche Maßnahmen sind zu empfehlen?

Für den Einsatz in Kindertageseinrichtungen eignen sich, bedingt durch den auftretenden Frequenzverlauf, am besten poröse Schallabsorber, die als Akustikdecke oder als einzelne Absorber-Elemente angeboten werden. Textile Vorhänge können den Absorptionsgrad zusätzlich erhöhen. Da diese nicht besonders dick sind, erstreckt sich ihre Wirkung aber vor allem auf hohe Frequenzen.

Diese baulichen Bedingungen führen zu Lärm

Sind Räume „hallig“, das heißt, die Raumakustik ist mangelhaft, schwillt der Lärmpegel unverhältnismäßig an und die Sprachverständlichkeit verschlechtert sich.

Störung von außen:

Sind die Räume schlecht untereinander oder gegen die Außenwelt schallgedämmt, kann es zu Beeinträchtigungen durch Straßenverkehr, Fluglärm oder durch Geräusche aus Nachbarräumen kommen. Technische Anlagen wie Lüftungen können ebenfalls störend wirken.

Türen:

Türen sind häufig nicht ausreichend schallgedämmt. Ein ruhiger Betrieb oder eine ruhige Pause werden in Räumen mit schlecht dämmenden Türen erschwert.

Freies Spiel:

Beim Entleeren von Bauklotzbehältern kann es sehr laut werden. Auch viele andere Spielzeuge oder Musikinstrumente können erhebliche Lärmbelästigungen mit sich bringen. Bei der Nutzung von Hochebenen ohne Trittschalldämmung entsteht ein unangenehmes Poltergeräusch.

Mobiliar:

Stühle und Tische ohne Filzgleiter führen zu unangenehmen Quietschgeräuschen.

Eine Erzieherin mit Kind auf dem Arm steht an einem Tisch, an dem Kinder sitzen.

Zu viele reflektierende Flächen wirken sich nachteilig auf die Lautstärkeentwicklung aus.

Einfluss und Optimierung der Raumakustik

Eine gute Raumakustik für einen Gruppenraum zeichnet sich dadurch aus, dass mehrere Personen(gruppen) sich in einem Raum mit ruhiger Sprache deutlich und klar verständigen können. Die Akustik ähnelt dann der in freier Umgebung auf einer Wiese. 

Im Unterschied zur Wiese hat ein Raum aber Begrenzungsflächen. Das sind Wände, Decken, Fußböden, die auf unterschiedliche Weise die auftreffenden Schallwellen mehr oder weniger stark schlucken (absorbieren) oder zurückwerfen (reflektieren). Das Maß der Absorption oder Reflexion hängt von den verwendeten Stoffen ab:
 

  • Harte und dicke Stoffe wie Beton oder Mauerwerk reflektieren die Schallwellen fast vollständig. Der so genannte Schallabsorptionsgrad ist nahezu null. Dies trifft für Töne von tiefen bis zu hohen Frequenzen zu.
  • Harte, aber dünne Stoffe, wie Glasflächen oder Holzplatten, reflektieren besonders hohe Frequenzen; tiefe Frequenzen werden nach außen durchgelassen. Deshalb hört man von einem Auto, in dem eine Musikanlage dröhnt, neben dem Motorengeräusch hauptsächlich die Bässe.
  • Materialien, die dünn sind und Poren haben, wie Teppiche oder Stoffe, absorbieren Schallwellen gut, allerdings nur die hohen Frequenzen. Damit ein Stoff mit offenen Poren wie Schaumstoff auch tiefe Frequenzen absorbiert, muss er sehr dick sein. Schaumstoffe oder Mineralwolle haben einen Schallabsorptionsgrad bei hohen Frequenzen von fast eins.

In einem Raum, der sehr viele reflektierende und zu wenig absorbierende Flächen hat, wird der Schall zwischen den reflektierenden Flächen hin und hergeworfen. Die Lautstärke erhöht sich und das Gesprochene wird undeutlich.

Nachhallzeit

Die Zeit, die vergeht, bis in einem Raum die Schallenergie eines Signals um 60 dB gefallen ist, heißt Nachhallzeit. Je niedriger die Nachhallzeit in einem Raum ist, desto besser ist die Sprachverständlichkeit.

Einfluss auf die Nachhallzeit haben auch Einrichtungsgegenstände und anwesende Personen. Jeder kennt aus eigener Erfahrung, wie hallig ein leerer Raum sein kann. Besonders Stoffe, Polster, Bücher sind schallabsorbierend. Auch Menschen wirken durch ihre Kleidung absorbierend.

Die Norm DIN 18041 "Hörsamkeit in Räumen - Anforderungen, Empfehlungen und Hinweise für die Planung" legt die Sollwerte der Nachhallzeit fest. Sie beschreibt ausführliche Berechnungen, Formeln dazu und die daraus resultierende optimale Nachhallzeit für die jeweiligen Raumgrößen.

Raumakustische Gestaltung mit dem IFA-Raumakustikrechner

Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) stellt einen Raumakustikrechner zur Verfügung, der sowohl die Nachhallzeiten als auch die entsprechenden Toleranzgrenzen der DIN 18041 berechnet und grafisch ausgibt.

Das Programm ist einfach gestaltet: Durch Angabe von Raumdimensionen, Nutzungsart, Raumbelegung und raumakustischer Ausstattung erfolgt eine Abschätzung der Nachhallzeiten.

Oberfläche einer Akustikdecke.

Checkliste: So sorgen Sie für eine optimale Nachhallzeit

Der Einbau von geeigneten Akustikdecken hat sich zur Regulierung der Nachhallzeit am besten bewährt. Eine fachgerecht ausgeführte Akustikdecke aus hochabsorbierendem Material ist in einem Gruppenraum mit üblicher Einrichtung in der Regel geeignet, um eine optimale Nachhallzeit zu erreichen.

  • Besonderes Augenmerk ist auf die Dämpfung der tiefen Frequenzen zu legen. Akustikdecken bestehen häufig aus gepresster Mineralwolle. Diese hat bei tiefen Frequenzen ein schlechteres Absorptionsvermögen. Es ist daher vorher zu berechnen, welche Tiefe des Deckenhohlraums erforderlich ist und in welchem Ausmaß zusätzliche Bass-Absorber in die Deckenkanten eingebracht werden müssen.
  • Gipskarton-Lochdecken können ebenfalls für eine optimale Raumakustik sorgen. Voraussetzung ist auch hier die richtige Planung durch eine Fachkraft, d.h. die vorherige Berechnung der erforderlichen Lochanteile, des Deckenhohlraums und der Dicke der Schicht an Mineralwolle auf der Plattenoberseite.  
  • Eine Akustikdecke alleine reicht nicht aus, wenn die Räume ungewöhnlich hoch sind. Bei Raumhöhen über 3 m ist es meist erforderlich, zusätzliche Wandabsorber zu montieren.  
  • Räume, die so spärlich möbliert sind, dass sich nackte Wandflächen gegenüberliegen, benötigen ebenfalls Wandabsorber zusätzlich zur Akustikdecke.  Diese verhindern so genannte Flatter-Echos und verbessern die Raumakustik deutlich.  

In diesen Fällen und immer dann, wenn die Architektur der Räume von den üblichen Maßen und Formen abweicht, empfiehlt sich die Beratung und Planung durch eine Fachkraft für Raumakustik.

In manchen Räumen wird eine niedrige Nachhallzeit gemessen, obwohl keine Akustikdecke vorhanden ist. Die niedrige Nachhallzeit ist häufig auf die Einrichtung mit schallabsorbierenden Polstermöbeln und Spielsachen zurückzuführen. Wird der Raum später umgestaltet, kann es zu einer lauten Überraschung kommen.

Der Einbau von Akustikdecken ist auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten meist die günstigste Lösung. Dies gilt besonders für Neu- und Umbauten. Wenn der Einbau einer Akustikdecke nicht möglich ist, weil z. B. die Decke unter Denkmalschutz steht oder eine ausgefallene Geometrie aufweist, muss man auf Ersatzmaßnahmen zurückgreifen. Dann kommen Absorber in Frage, die in den Raum gehängt oder gestellt werden.

Häufig handelt es sich dabei um Platten oder Würfel aus einem schallabsorbierenden Schaumstoff. In Gruppenräumen zulässig ist nur der Einsatz von schwer entflammbaren und ungiftigen Stoffen.

Für eine optimale Nachhallzeit ist die erforderliche Menge jedoch so groß, dass leicht zehntausend Euro oder mehr zusammenkommen und ästhetische Ansprüche oft nicht befriedigt werden. Mit Platten, die eine Dicke < 10 cm haben, wird es zudem kaum gelingen, die tiefen Frequenzen ausreichend zu dämpfen.

Alle Aufenthaltsräume müssen in die Maßnahmen zur Raumakustik einbezogen werden. Dies gilt für:

  • Mehrzweckräume,
  • Flure,
  • Esszimmer,
  • Ruheräume,
  • Besprechungszimmer,
  • Waschräume
  • und ggf. Küche.

Grenzt an einen akustisch einwandfreien Gruppenraum ein halliger Flur, ist mit einem erheblichen Schalleintrag in den Gruppenraum zu rechnen. Flure werden zudem oft zum Spielen genutzt und müssen schon allein aus diesem Grund wie ein Gruppenraum gewertet werden.

10 Extra-Tipps zur Raumgestaltung

  1. Räume mit mobilen und möglichst schallabsorbierenden Elementen in Bereiche aufteilen. Dies können z. B. Regale sein, deren Rückseiten mit Teppichboden oder Wandabsorbern belegt sind.
  2. Fensterbänke, Regalbretter, Tische und Stühle können auf den Unterseiten mit Filz oder Teppichstücken belegt werden. Gleiches gilt für die Rückwände von freistehenden Schränken und Regalen.
  3. Styropor oder Kork sind nicht zur Schalldämpfung geeignet, da sie geschlossene Poren haben und die Schallwellen nicht eindringen können.
  4. Teppichboden, Vorhänge, Stoffe aller Art wirken nur bei hohen Frequenzen schallabsorbierend. Sie können eine fachgerechte Akustikdecke ergänzen, aber nicht ersetzen.
  5. Erhöhte Spielebenen und ihre Zugänge sollten mit Trittschalldämmung versehen werden.
  6. In besonders lauten Bereichen wie Bauecken kann ein Teppich ausgelegt werden.
  7. Spielzeugkisten können mit Filz ausgelegt werden.
  8. Für Ruheräume empfiehlt sich der Einbau von Schallschutztüren.
  9. Belüftungsanlagen sorgen in Kitas mit lauter Umgebung dafür, dass die Fenster nicht regelmäßig geöffnet werden müssen.
  10. Ein elastischer Tischbelag und eine steife Unterkonstruktion der Tischplatte verhindern Schwingungen, die beispielsweise beim Spielen mit Bauklötzen oder durch Trommeln auf der Tischoberfläche entstehen. Weiterhin sollten die Beine von Tischen und Stühlen mit nachgiebigen Gleitern ausgestattet sein, um Schwingungsanregungen beim Schieben über den Boden zu vermeiden.

Auch in Räumen mit optimaler Nachhallzeit kann es laut sein!

Der direkte Schall ist ja weiterhin vorhanden und 20 oder mehr Kinder im Freispiel bedeuten meist mittlere Schallpegel von 75 dB(A) oder mehr. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die Räume für die vorhandene Anzahl der Kinder relativ klein sind. Wenn trotz guter Raumakustik die Lärmbelastungen weiterhin als zu hoch empfunden werden, sollten weiteren organisatorische oder pädagogische Maßnahmen folgen.

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