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Letzte Änderung: 18. November 2021
Kranke Haut als Ursache für Berufskrankheiten

Feuchte Hände = kranke Haut? Muss nicht sein!

Hauterkrankungen sind die am häufigsten gemeldeten Berufskrankheiten. Bevor Erkrankungen durch UV-Strahlung in die Berufskrankheiten-Liste aufgenommen wurden, betrafen die meisten gemeldeten Verdachtsfälle die Hände, die entweder durch Kontakt mit Gefahrstoffen oder durch Arbeiten im feuchten Milieu (z. B. in Latex-Handschuhen) Schaden genommen hatten. Wie Betriebe mit einer sorgfältigen Gefährdungsbeurteilung und auf die Belastung abgestimmte Maßnahmen jedoch das Risiko für Erkrankungen reduzieren können.

Oft handelt es sich bei Erkrankungen der Hände um sogenannte Abnutzungsekzeme. Sie entsteht, wenn die Haut ständig und über längere Zeit einer einseitigen Belastung für die Hausschutzbarriere, zum Beispiel durch Feuchtarbeit, ausgesetzt wird. Ein umfassender Hautschutz ist daher an vielen Arbeitsplätzen unabdingbar.

Typische Hauterkrankungen und wie sie entstehen

Abnutzungsekzem

Die meisten Hauterscheinungen, die mit der Arbeit zusammenhängen, gehen auf diesen Ekzemtyp zurück. Durch den täglichen Kontakt beispielsweise mit Wasser, Wasch- und Reinigungsmitteln, Desinfektionsmitteln, organischen Lösemitteln oder Kühlschmierstoffen wird nach einiger Zeit der Reparaturmechanismus der Haut überfordert und es kommt zu „Hauterscheinungen“.

Die Haut wird trocken, rau und rissig. Oft treten diese Hautprobleme zuerst an Stellen auf, an denen die Haut besonders dünn ist oder beansprucht wird:

  • zwischen den Fingern,
  • um den Nagelfalz oder
  • auf der Rückseite der Hand an den Fingergelenken.

Besonders passiert es zum Ende des Winters, wenn die Haut wegen der trockenen Heizungsluft ohne weniger Feuchtigkeit enthält und die Hautbarriere angegriffen ist.

Im Zuständigkeitsbereich der Unfallkasse Hessen sind Arbeiten in feuchtem Milieu bzw. Arbeiten, bei denen über mehr als zwei Stunden pro Arbeitstag flüssigkeitsdichte Handschuhe getragen werden, die häufigste Ursache für Abnutzungsekzeme.

Allergisches Kontaktekzem

Bei einer Allergie handelt es sich um eine Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Stoffe. Gelangen Stoffe, die Allergien verursachen können, über vorgeschädigte Haut in Bereiche lebender Zellschichten, kann eine Sensibilisierung ausgelöst werden. Der Körper antwortet bei weiteren Kontakten mit diesem Stoff mit einer allergischen Reaktion.

Normalerweise ist es Aufgabe der Immunabwehr, eingedrungene Fremdstoffe zu beseitigen. Leider kann das Immunsystem auch über das eigentliche Ziel hinausschießen und bekämpft dann diese Fremdstoffe sehr heftig, was zu massiven Entzündungsreaktionen (Rötung, Schwellung, Juckreiz usw.) der Haut führen kann.

Wann immer möglich sollte zum Beispiel Feuchtarbeit vermieden, zumindest aber verringert werden.

Beschäftigte durch technische, organisatorische oder individuelle Maßnahmen entlasten

Eines der Grundprinzipien des Arbeitsschutzes ist, Gefahren zu ermitteln und zu beseitigen, mindestens aber zu minimieren. Dies gilt selbstverständlich auch für hautbelastende Tätigkeiten. Wann immer möglich sollte daher zum Beispiel Feuchtarbeit vermieden, zumindest aber verringert werden. Für Reinigungsarbeiten zum Beispiel sorgen moderne Reinigungssysteme dafür, dass der Wischmopp kontaktlos ausgetauscht werden kann. Wo solche Maßnahmen nicht möglich sind, kann durch eine entsprechende Arbeitsorganisation ein regelmäßiger Wechsel zwischen „feuchten“ und „trockenen“ Arbeiten und damit eine Reduktion der Belastung erreicht werden. Hierzu kann es unter Umständen notwendig sein, Feuchtarbeiten auf mehrere Personen zu verteilen.

Technische (neue Systeme) oder organisatorische Maßnahmen (Umbau der Arbeitsorganisation) mit dem Ziel einer Belastungsreduktion haben immer Vorrang vor individuellen Schutzmaßnahmen, die auf die einzelne Person abzielen (Verwendung spezieller Handcremes zum Schutz der Haut). Hinweise zum Vorgehen bei der Ermittlung und Beurteilung von Hautgefährdungen enthält die TRGS 401 „Gefährdungen durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen“.

Die Verwendung von Hautschutzmitteln wird als Schutzmaßnahme im allgemein akzeptiert. Genau wie persönliche Schutzausrüstungen (z. B. Handschuhe) muss der Arbeitgeber diese unentgeltlich zur Verfügung stellen (siehe dazu DGUV Vorschrift „Grundsätze der Prävention“, Arbeitsschutzgesetz, Gefahrstoffverordnung, Biostoffverordnung usw).

In der „Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge“ (ArbMedVV) wird unter anderem festgelegt, dass Betriebe ihren Beschäftigten bei Kontakt mit bestimmten Gefahrstoffen eine arbeitsmedizinische Vorsorge anbieten müssen. Wenn besondere Risiken vorliegen, sind solche Vorsorgemaßnahmen sogar Pflicht. In diesen Fällen dürfen Arbeitnehmer*innen erst dann mit den gefährdenden Tätigkeiten beschäftigen, wenn die Pflichtvorsorge durchgeführt wurde.

Auch sogenannte „Feuchtarbeit“ kann arbeitsmedizinische Vorsorgemaßnahmen auslösen (ab 2 Std./Schicht Angebotsvorsorge, ab 4 Std./Schicht Pflichtvorsorge).

Parfümfreie Handlotions und Handcremes belasten die Haut nicht zusätzlich und sind meist besser verträglich-  Bild: © DGUV

So kann die beanspruchte Haut geschützt werden

Konsequenter Hautschutz setzt an drei Punkten an:

  • Hautreinigung
  • Hautpflege
  • Hautschutz

Hautreinigung

Werden adäquate Hautschutzmitteln verwendet, ist eine Hautreinigung unter Umständen erst nach längeren Zeitintervallen nötig und ist beim Einsatz abgestimmter spezieller Reinigungsmittel leichter und schonender. Reinigungsmittel, die neben waschaktiven Substanzen Reibemittel (z. B. Handwaschpasten) oder Lösemittel enthalten, sollten nur dann verwendet werden, wenn es unumgänglich ist. Hautreinigungsmitteln können nämlich auch belastend für Haut sein und diese sollte immer so gering wie möglich ausfallen.

Hautpflegemittel

Die Auswahl der Hautpflegemittel ist neben der individuellen Situation auch von der beruflichen Belastung abhängig. Wichtigstes ist hier der Fettanteil des der Creme, Paste oder Lotion. Personen, deren Haut arbeitsbedingt stark austrocknet, benötigen eine Pflege mit höherem Fettanteil als diejenigen, deren Haut nur gering belastet wird und nicht so stark austrocknet.

Hautschutzmittel

Hautschutzmittel sollen die Barrierefunktion der Haut erhalten. Wer Hautschutzmittel konsequent anwendet, trägt wesentlich dazu bei, dass seine Haut um die Hände gesund bleibt. Aber: auch wenn manche Produkte mit Bezeichnungen wie „unsichtbarer“ oder „flüssiger Handschuh“ werben, die Schutzwirkung ist in jedem Fall geringer als die von Schutzhandschuhen.

Wichtig: Nur wer mit Gefahrstoffen arbeitet, die der Haut wenig schaden, kann auf Schutzhandschuhe verzichten, wenn dafür Hautschutzmittel zum Einsatz kommen.

Hautschutzplan erstellen und zugänglich machen

Damit sich die Beschäftigten leicht über die im jeweiligen Fall anzuwendenden Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemittel informieren können, muss in Betrieben und Unternehmen ein Hautschutzplan zugänglich sein. Dieser gibt einen Überblick zu den potentiell gefährdenden Tätigkeiten und die jeweils erforderlichen Schutzmaßnahmen. Der Hautschutzplan sollte dort ausgehängt werden, wo auch die entsprechenden Mittel angeboten werden, beispielsweise am Handwaschplatz.

Über Allergierisiken aufklären

Leider können auch Hautschutz-, -reinigungs- und -pflegemittel Stoffe enthalten, die möglicherweise Allergien auslösen oder (häufiger) bei bestehenden Sensibilisierungen Hauterscheinungen verursachen. Deshalb sind die Inhaltstoffe aller in Europa vertriebenen Kosmetikprodukte auf der Verpackung deklarationspflichtig. Im Fall von Unverträglichkeiten müssen Arbeitgebende individuell Produkte zur Verfügung stellen, die für die einzelnen Arbeitnehmer*innen geeignet sind.

Alle bekommen ihre eigenen Hygienemittel

Schutz-, Reinigungs- und -Pflegemittel für die Haut sollten aus hygienischen Gründen den Beschäftigten in Spendern angeboten werden. Die Verwendung von Döschen oder Tiegeln usw. – gerade wenn diese durch mehrere verwendet werden – führt leicht dazu, dass der Inhalt verschmutzt und verkeimt. Deshalb sollen auch Seifenstücke nicht von mehreren Personen verwendet werden.

Zum Abtrocknen der Hände müssen Einmalhandtücher, Automaten mit Endlosstoffhandtüchern, Gebläsetrockner etc. zur Verfügung stehen. Normale Stoffhandtücher dürfen aus hygienischen Gründen nur dann benutzt werden, wenn sie eindeutig einer Person zugeordnet werden können.

Eincremen ist Teil der Unterweisung

Ein großer Nachteil von Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemitteln ist, dass die banal erscheinende Anwendung wesentlich schwieriger ist, als es den Anschein hat. Versuche, bei denen die Anwender*innen Pflegemitteln mit fluoreszierenden Anteilen auftrugen, um die Verteilung auf der Haut zu kontrollieren, haben gezeigt, dass es vielen nicht gelingt, die Mittel überall auf den Händen gleichmäßig aufzutragen. Oft werden die kritischen Bereiche auf dem Handrücken, zwischen den Fingern, im Bereich der Fingerknöchel und -gelenke und rund um den Nagelfalz nicht ausreichend eingecremt. Eine regelmäßige Unterweisung kann dann hilfreich sein.

Häufige Fragen

Für Arbeitsplätze, an denen bereits ein Hautschutzplan aufgrund von Hautgefährdungen oder Hygienevorschriften vorhanden ist, sind die dort festgelegten Maßnahmen weiterhin zu beachten. Es sind keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich. Für Personen, die keine Tätigkeiten mit erhöhter Hautbelastung ausüben kann sich infolge der zusätzlichen Hygienemaßnahmen der Pflegebedarf der Hände erhöhen. Häufiges Händewaschen, die Händedesinfektion und das Tragen von Handschuhen belasten die Haut. Die konsequente Anwendung von Hautpflegemitteln zur Regeneration der Hautbarriere und Vermeidung von Hautveränderungen ist deshalb sehr wichtig. Cremen Sie sich nach jedem Händewaschen/Desinfizieren die Hände. Für das Eincremen nach der Arbeit sind fetthaltige Cremes zu empfehlen. Nutzen Sie dafür Produkte ohne Duftstoffe. Tipp: Denken Sie beim Eincremen an Fingerkuppen, Nagelfalz und Fingerzwischenräume! Werden Einmalhandschuhe verwendet, beachten Sie folgendes: Handschuhe möglichst wechseln, wenn sie innen feucht sind. Eventuell Baumwollhandschuhe unterziehen (ebenfalls rechtzeitig wechseln) Nach der Benutzung Hautpflegemittel auftragen. Die Anwendung von Hautschutz- oder Hautpflegemitteln unter Einmalhandschuhen wird nicht empfohlen, da für eine Schutzwirkung (Verringerung der Hautquellung, bzw. des Schwitzens) bisher keine überzeugenden Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Zudem kann je nach Zubereitungsform das Aufquellen der Haut unter dem Handschuh und das Herauslösen von Handschuhinhaltsstoffen gefördert werden.

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