Gesetzlicher Unfallschutz für Ersthelfende

Haben Sie einem Menschen in Not geholfen und dabei selbst Schaden genommen?

Wenn Sie in der Freizeit, zu Hause oder im Urlaub Erste Hilfe leisten, stehen Sie unter dem gesetzlichem Versicherungsschutz der Unfallkassen – beitragsfrei und umfassend.

Zuständig für die Absicherung von Ersthelfer*innen, Retter*innen ist immer die Unfallkasse des Bundeslandes, in dem sich der Unfall ereignet hat. In Hessen ist das die Unfallkasse Hessen. Sofern Sie sich infolge Ihrer Hilfeleistung eine Verletzung zugezogen haben oder ein Schaden an Ihren Sachen entstanden ist, informieren Sie uns bitte. Wir prüfen Ihre Ansprüche.

Auch Opfer von Gewalttaten haben Anspruch auf besondere Hilfe und Unterstützung durch die öffentliche Hand. Diese Aufgabe übernehmen die je nach Wohnort zuständigen Ämter für Soziale Entschädigung, auch als Versorgungsämter bekannt. Die Liste der hessischen Ämter für Versorgung und Soziales finden Sie hier. Zur Antragstellung bei der zuständigen Einrichtung beraten wir Sie gern.

Einem Menschen in Not zu helfen, ist Ehrensache

Jeder Mensch ist sogar verpflichtet, einer anderen Person Hilfe zu leisten, ohne sich selbst dabei in Gefahr zu begeben. Trotzdem kann den Retterinnen und Rettern durch das Helfen ein Schaden entstehen – körperlich, psychisch, aber auch an den zur Hilfe eingesetzten Sachen. Die Pflicht zu helfen ist darum mit dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung für Ersthelferinnen und Ersthelfer versichert.


Wer ist genau versichert und was umfasst der gesetzliche Unfallschutz?

Versichert sind Personen, die verunfallen während sie:

  • jemanden persönlich schützen, beispielsweise sich schützend vor ein Kind stellen, das angegriffen wird, und deswegen selbst körperlich angegriffen werden,
  • sich persönlich bei der Verfolgung oder Festnahme einer Person einsetzen, die eine Straftat begeht. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn jemand einen Handtaschenräuber festhält, um ihn der Polizei zu übergeben, dabei stürzt und sich verletzt,
  • einen Menschen aus erheblicher Gefahr für seine Gesundheit retten, z. B. in den See springen, um eine Person vor dem Ertrinken zu retten, und sich dabei selbst verletzen,
  • sich beispielsweise nach einem Terrorakt um Verletzte kümmern und das dabei Erlebte psychisch nicht ohne professionelle Hilfe verarbeiten können.

Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung für Ersthelferinnen und Ersthelfer umfassen unter anderem

  • umfassende Heilbehandlung und Rehabilitation einschließlich Psychotherapie im System der gesetzlichen Unfallversicherung wie nach einem "Arbeitsunfall",
  • besondere ergänzende Leistungen wie Fahrt- und Transportkosten oder Haushaltshilfe- und Kinderbetreuungskosten,
  • Ersatz von Schäden an Sachen, die beim Helfen eingesetzt wurden,
  • umfassende Hilfen zur Wiedereingliederung in das berufliche und soziale Leben,
  • Verletztengeld bei Arbeitsunfähigkeit und weitere unterhaltssichernde Geldleistungen,
  • Rentenzahlung bei verbleibender Minderung der Erwerbsfähigkeit und ggf. an Hinterbliebene.

Was Sie tun können, wenn Sie Erste Hilfe geleistet haben und dabei selbst zu Schaden gekommen sind

  • Haben Sie von der Polizei, der Feuerwehr oder den Notfallseelsorgern eine Karte für Erstheldende überreicht bekommen? Bitte bewahren Sie diese auf, denn sie enthält hilfreiche Informationen.
  • Versuchen Sie, Zeugen zu gewinnen, und notieren Sie sich deren Anschriften.
  • Teilen Sie dem behandelnden Arzt/der behandelnden Ärztin mit, dass sich der Unfall bei einer Hilfeleistung zugetragen hat, und schildern Sie bereits hier die Situation möglichst genau.
    Wichtig: Sofern Sie aufgrund der Hilfeleistung arbeitsunfähig sind, suchen Sie bitte sofort oder später einen Durchgangsarzt oder eine Durchgangsärztin (D-Arzt) auf. Dies sind besonders qualifizierte ärztliche Partner*innen der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Adressen finden Sie hier.
  • Wenn Sie nach einer Hilfeleistung Unterstützung von der Unfallkasse Hessen erhalten möchten, melden Sie sich bitte bei uns.

Sie erreichen uns montags bis freitags in der Zeit von 7:30-18 Uhr unter der Nummer 069 29972-440 oder jederzeit per Mail an ukh[at]ukh.de und presse[at]ukh.de.

Ein formeller Antrag auf Leistungen ist nicht erforderlich. Die Unfallkasse ermittelt automatisch ("von Amts wegen") bei jedem Hilfeleistungsfall, der ihr bekannt wird.

Eine Hilfeleistung kann sich auch psychisch auswirken

Erste Hilfe zu leisten kann nach manchen Situationen auch seelisch belastend sein. Dies ist zunächst eine normale Reaktion auf ein unnormales Ereignis. Überlegen Sie sich vor allem in der ersten Zeit, ob und ggf. welche Unterstützung Sie benötigen und was Ihnen vielleicht nach früheren belastenden Erlebnissen gutgetan hat. Geben Sie sich Zeit. Die Verarbeitung solcher Erfahrungen geht nicht so schnell.

Sofern Sie sich intensiver mit den Folgen eines derartig belastenden Ereignisses befassen möchten, finden Sie hier eine Broschüre zum Thema

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie das Erlebte nicht alleine verarbeiten können und Unterstützung möchten, setzen Sie sich direkt mit der Unfallkasse Hessen in Verbindung.