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Letzte Änderung: 27. November 2021
Inklusiven Sportunterricht (er-)leben

Inklusion im Schulsport baut Berührungsängste ab

Beim inklusiven Schulsport lernen Schüler*innen Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung abzubauen. Die Unterrichtseinheit „Inklusion im Schulsport“ umfasst zwei Doppelstunden, mit denen Sportlehrkräfte ihre Klassen an das Thema Inklusion und Teilhabe heranführen können. Ziel ist es dabei, den Schüler*innen einen Perspektivwechsel zu ermöglichen und sie für das „individuelle Sosein“ und für das Recht der Gleichheit, das allen eine aktive Teilhabe ermöglichen soll, zu sensibilisieren. Sie bilden die ideale Basis für die Unterrichtseinheiten Rollstuhlbasketball oder Goalball.

Unterrichtseinheit 1: „Wir erobern gemeinsam den Mattenturm“

Erlebnispädagogik als eine Methode des Erfahrungslernens ermöglicht den Schüler*innen einen emotionalen Zugang zu ihren eigenen Empfindungen und zu dem Thema Vielfalt. Die gestellte Aufgabe ermöglicht nicht nur den praktischen Einstieg, sondern macht auch Inklusion bewegt erlebbar.

Die Herausforderung für die Schüler*innen besteht in der gemeinsamen Lösung der kooperativen Aufgabe.

Ziele dieser Unterrichtseinheit

Die Schüler*innen lernen, sich konstruktiv in Gruppenprozesse einzubringen. Darüber hinaus trainieren sie mit Unterschieden umzugehen und Toleranz gegenüber Menschen mit Handicap zu entwickeln. Sie entwickeln im Rahmen der Unterrichtseinheit Konfliktlösungsstrategien und üben faires Verhalten. Ziel ist es, Vielfalt bewusst zu machen und zu erkennen.

Ablauf der Unterrichtseinheit

Das Unterrichtsmaterial umfasst:

  • Aufbauplan für den Mattenturm
    • 3 große Sprungkästen (maximale Höhe beachten)
    • max. 5 Niedersprungmatten
    • Fallschutzmatten (Sicherung um den Mattenberg)
  • Beobachtungsauftrag
  • Spielanleitung und Regeln
  • Vielfaltkarten (Die Karten "ohne Beeinträchtigung" müssen so oft ausgedruckt werden, dass sie zusammen mit den Handicap-Karten der Klassengröße entsprechen.)
  • Brillensammlung
  • Blindtücher oder beklebte Schutzbrillen aus dem Baumarkt (s. Zeichnung)
  • Gehörschutz (Baumarkt)
  • Kreppband (motorisches Handicap: ein Arm wird mit Kreppklebeband an den Körper geklebt)
  • Beobachtungsbögen; Stifte; Papier zum Aufschreiben der Vereinbarungen


Nach einem Aufwärmspiel setzen sich die Schüler*innen in den Sitzkreis. Sie bekommen vorerst die Information, dass sie gemeinsam eine schwierige Aufgabe lösen müssen. Bevor die Aufgabe den Schüler*innen erklärt wird, wird ihnen der Aufbau des Mattenturms (s. Aufbauplan) erläutert. Nach dem gemeinsamen Aufbau und der Absicherung des Mattenturms treffen sich alle wiederum im Sitzkreis. Ihnen werden die Aufgabe und die geltenden Regeln (s. Mattenturm-Regeln) erklärt: Alle Schüler*innen müssen auf diesen Turm steigen. Dabei dürfen sie keine Hilfsmittel (z. B. kleine Kästen, die Trageschlaufen der Weichböden) verwenden. Sie müssen sich gegenseitig helfen und unterstützen.

Damit diese Aufgabe gelingen kann, bekommen sie eine Beratungszeit von ca. 3 - 5 Minuten, in der sie die Lösung der Aufgabe planen und diskutieren können. Zudem bekommen sie noch erschwerende Handicaps hinzu. Anhand von Vielfaltkarten (s. Mattenturm-Vielfaltkarten) ziehen (je nach Klassengröße und Ermessen der Lehrperson) 3 - 5 Schüler*innen ein Handicap (Sehbeeinträchtigung; Hörbeeinträchtigung; körperliche Beeinträchtigung).

Die Schüler*innen sollten grundsätzlich gefragt werden, ob sie sich die Aufgabe mit Handicap zutrauen. Gegebenenfalls kann zu diesem Zeitpunkt unter den Schüler*innen die Sonderrolle des*der Beobachtenden vergeben werden. Hier eignen sich insbesondere Schüler*innen, die nicht am Sportunterricht teilnehmen können. Der*die Beobachtende bekommt einen vorbereiteten Beobachtungsbogen (s. Anhang), der die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte innerhalb der Beratungszeit und der Durchführung der Aufgabe fokussiert.

Sind die verschiedenen Rollen (Handicaps/Beobachtende) verteilt, gehen die Schüler*innen in die Beratungszeit und überlegen sich einen möglichen Lösungsweg. In der Beratungszeit sollte sich die Lehrperson zurückziehen und Beobachter*in von außen sein. Lediglich in Konfliktsituationen sollte vermittelnd eingegriffen werden. Bei der Durchführung der Aufgabe steht die Lehrkraft begleitend und sichernd dabei. Die Aufgabe ist gelöst und bewältigt, wenn alle Schüler*innen auf dem Mattenturm waren und sicher wieder heruntergekommen sind.

Im direkten Anschluss daran werden die Schüler*innen zu einer Auswertungsrunde in den Sitzkreis gebeten; die Schüler*innen mit Handicap dürfen dieses "ablegen". Zuerst werden die Beobachter*innen aufgefordert, ihre Eindrücke zu schildern, die sie – unterstützt durch die Beobachtungsbögen – notiert haben. Die Erfahrungen der Schüler*innen ergänzen den Eindruck des*der Beobachtenden. Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht, wie alle Schüler*innen besser in die Lösung der Aufgabe (Planung und Durchführung) eingebunden werden können. Die Lösungen werden notiert (z. B. ein*e Schüler*in mit Handicap bekommt einen "Paten" an die Seite).

Die Lehrperson begleitet und beobachtet, bietet aber keine Lösungen an.

Didaktische Hinweise

Die Durchführung dieser kooperativen Aufgabe sollte in Klassen mit Konfliktpotenzial durch einfachere kooperative Aufgaben und ohne Vielfaltkarten vorbereitet werden. Dies bedarf in der Regel einer Unterrichtseinheit zum Thema Erlebnispädagogik (Bezug Bildungsstandards: Leitidee: soziale Interaktion; Inhaltsfeld: Spielen).

Sollte die Klasse Vorerfahrungen mit erlebnispädagogischen Problemlöseaufgaben haben bzw. ein sehr kooperatives Verhalten zeigen, ist es durchaus möglich, dass die Handicaps an die Schüler*innen vor Aufbau des Mattenturms und vor der Spielerklärung mit Hilfe der Vielfaltkarten vergeben werden. Die Schüler*innen würden sich dann direkt in die Rolle eines Menschen mit Beeinträchtigung begeben.

Die Lehrperson ist Anleiter*in, Begleiter*in und Beobachter*in und hält sich bei der Findung von Lösungen und aus den Gruppenprozessen heraus. Lediglich bei Konflikten, die die Klasse nicht alleine lösen kann, muss die Lehrperson regulierend eingreifen.


Unterrichtseinheit 2: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Die Erkenntnisse aus der erlebnispädagogischen Unterrichtsstunde werden in dieser theoretischen Doppelstunde zusammengefasst und vertieft. Wichtig ist hierbei, dass die gemachten Erfahrungen aus der Aufgabe "Mattenturm" auf das Thema Inklusion übertragen werden.

Übung Selbstwahrnehmung und Reflexion

Unsere Zugehörigkeit zu Gruppen ist vielseitig und kann sich ständig im Wechsel befinden. Diese Übung vermittelt das Gefühl, sich mal in der Mehrheit und mal in der Minderheit wiederzufinden. Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollen wahrgenommen und geachtet werden. In dieser Unterrichtsstunde wird Selbstwahrnehmung und Fremdzuschreibung reflektiert.
Ziel ist:

  • Wahrnehmen des eigenen Minderheits- bzw. Mehrheitsstatus
  • Gemeinsamkeit und Verschiedenheit zwischen Menschen erfahren
  • Wahrnehmen, dass jeder gleichzeitig verschiedenen Gruppen angehört

Ablauf der Unterrichtsstunde

Im Raum hängen zwei Schilder, eines mit der Aufschrift "ich", das andere mit der Aufschrift "ich nicht". Wenn der Übungsleiter eine Frage gestellt hat, positionieren sich die Schüler*innen jeweils schweigend, halten kurz inne und schauen sich um: Mit wem bin ich zusammen? Gehöre ich zur Mehrheit oder zur Minderheit? Wie geht‘s mir in der jeweiligen Position? Kommentare sind nicht zugelassen. Jede*r kann selbst entscheiden, ob er oder sie auf eine Frage antworten will oder nicht. Beispielfragen für diese Einheit und den Stundenablauf finden sie am Ende dieses Artikels.

Eine Begegnung mit Vielfalt macht unsicher.

Ideale Ergänzung: Kurzfilme der Aktion Mensch „Neue Nähe“ und/oder „Das erste Mal“

Beide Kurzfilme beschäftigen sich mit dem Thema Begegnung von Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung – von Menschen, die eine große Minderheit in unserer Gesellschaft darstellen. Sie regen zum Nachdenken an und beschäftigen sich mit den Barrieren, die viele Menschen im Kopf haben. Kontaktängste, die zu Beginn der Filme deutlich zu spüren und mitzufühlen sind, werden durch die offene Begegnung miteinander, durch die Kommunikation und das dadurch entstehende Kennenlernen ausgelöscht.

Wir alle haben Berührungsängste und Vorurteile anderen Menschen gegenüber. Wir denken oft in Kategorien. Eine Begegnung mit Vielfalt macht unsicher. Wenn wir offen aufeinander zugehen, sind wir alle in der Lage, diese Barrieren zu überwinden. Dazu müssen wir aktiv werden. Jede Begegnung kann ein Anfang sein!

Ziele:

  • Auseinandersetzung mit dem Thema Berührungsängste und Barrieren
  • Erkennen, dass man nur durch Aktivität Menschen begegnen kann
  • Erkennen, dass Offenheit für die Vielfalt der Menschen um uns herum Vorurteile ausschließt
  • Reflexion des eigenen Handelns und eigenes Handeln anregen

Video: Aktion Mensch „Neue Nähe“ (5:03)

Worum geht's?

Kinder unterschiedlichen Alters werden mit verschiedenen technischen Geräten konfrontiert. Sie stellen Vermutungen an über den Sinn und Zweck dieser technischen Geräte. Die Nutzer*innen dieser technischen Hilfsmittel kommen dazu und es entwickelt sich über diese Hilfsmittel eine Kommunikation und Begegnung, die Nähe zueinander ermöglicht.

Video: Aktion Mensch „Das erste Mal“ (5:51)

Worum geht's?

In einem Casting zu einem Fernsehspot einer sozialen Organisation sollen Paare, die sich nicht kennen, verschiedene Situationen darstellen. Vor der Kamera treffen sich jeweils ein Mensch mit und ein Mensch ohne Behinderung. Ihnen wird aufgetragen, verschiedene Situationen zu entwickeln und zu spielen: ein Begrüßungsritual und eine Einkaufsberatungssituation. Zuerst sind die Menschen ohne Behinderung irritiert über ihr Gegenüber. Ihr Verhalten ist gehemmt und zurückhaltend. Mit der Bewältigung der Aufgaben verlieren sich wie von selbst die Berührungsängste.

Die Reflexionsphase ist hier der wesentliche Bestandteil der Unterrichtseinheit. Es ist unerlässlich diese Phase mit Fragen zu führen und gleichermaßen mögliche Stundenabschlüsse im Blick zu haben.

Das Unterrichtsmaterial kann hier komplett heruntergeladen werden und umfasst Reflexionsfragen und mögliche Stundenabschlüsse.

Diese Unterrichtsreihe entstand in Zusammenarbeit mit Martina Böger, Förderschullehrerin, Bildungsreferentin "Inklusion im Schulsport" der Zentralen Fortbildungseinrichtung für Sportlehrkräfte des Landes (ZFS) und Annika Karkos, Justus-Liebig-Universität Gießen.